«Das Rad des Fahrrads ist mein erstes Readymade, so dass es noch gar nicht Readymade hieß. Dem Rad zuzusehen, wie es sich dreht, war sehr besänftigend, sehr beruhigend, es war eine Öffnung aus dem Alltagsleben. Ich liebte die Idee, das Rad eines Fahrrads in meinem Atelier zu haben.
Ich betrachtete es gerne, so wie ich gerne ein Kaminfeuer betrachte.» Marcel Duchamps
Leonardo da Vinci hat im 15. Jahrhundert das Auto erfunden. Na ja zumindest angedacht.
Leonardo da Vinci: Kurbelwagen
In Nürnberg verkaufte der Zirkelschmied Johann Hautzsch um 1650 muskelgetriebene Prunkwagen.
1665 erfand der gelähmte 22jährige Nürnberger Uhrmacher Stephan Farfler einen Rollstuhl für sich selbst. Mit Handkurbel und Zahnradübersetzung ist dieser Rollstuhl der erste wirkliche technologische Vorläufer des Fahrrads.
Rollstuhl von Farfler
In Karlsruhe suchte Karl Wilhelm Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn nach einem Ersatz für das Pferd. 1817 testete er zum ersten Mal ein Laufrad.
Draisine
Das Draisine oder Veloziped genannte Laufrad - in England hobby horse oder dandy horse - verbreitete sich schnell.
Das dandy horse eignete sich auch zum Viersitzer.
dandy horse - Viersitzer
Drais legte sich mit der Obrigkeit an und nahm an einer Expedition nach Brasilien teil. 1849 legte er den Adelstitel ab.
"Das Fahrrad hat mehr getan für die Emanzipation der Frau als alles andere", meinte die amerikanische Frauenrechtlerin Susan B. Anthony, 1896
Der Unterschied zwischen Fahrrad und Auto war 1887 noch nicht allzu groß, wie zum Beispiel bei diesem benzingetriebenen Motor-Vierräder von Daimler.
Daimler Motor-Vierräder
Ende des 19. Jahrhunderts reklamierten England, Frankreich und Deutschland die Erfindung des Fahrrads plötzlich für sich:
Den 1869 von Philipp Moritz Fischer konstruierten Nachbau des Fahrrads von Michaux datierte der Schweinfurter Stadtrat auf 1853 um.
In England wird das 1869 erstellte Velocipède von Thomas McCall auf 1839 vordatiert und dem schottischen Schmied Kirkpatrick Macmillan zugeschrieben.
In Frankreich behauptet der Fahrrad-Historiker Baudry de Saunier der - fiktive - Comte de Sivrac hätte 1790 das "célérifère" erfunden, 27 Jahre vor Karl Drais.
In den Niederlanden fuhr man ein halbes Jahrhundert nach Leonardo da Vinci mit dem Segelwagen von Simon Stevin. Wind gab es ja genug.
Simon Stevin: Segelwagen
Michaux und Lallande gelten als die Erfinder des eigentlichen Fahrrads. Das Velocipède mit Vorderradantrieb, entwickelt in den 1860er Jahren in Paris, setzte sich in der ursprünglichen Form auf Dauer nicht durch. Es war einfach zu unbequem. Engländer und Amerikaner nannten dementsprechend das Modell Boneshaker. Ab 1969 brachten Gummibeläge aus Kautschuk etwas Erleichterung.
boneshaker
Das Hochrad wurde dann ein voller Erfolg.
Hochrad
Hochrad Tandem 1884
Die folgende Zeichnung ist eine Fälschung: Sie stammt nicht von Leonardo da Vinci.
Ein niedriges Fahrrad mit Kette und Pedalen gibt es erst seit 1885: Da entwickelte John Kemp Starley in Coventry das Rover Safety.
Rover Safety
Das "Safety" war stabiler, sicherer und schneller als das Hochrad der 1870er und 1880er Jahre. Immerhin hatte das Hochrad bereits Gummireifen und war bequemer als der Boneshaker.
Zu Unfällen kam es jedoch auch bei späteren Modellen.
Werbeplakat
célérifère
Die USA liess der Streit kalt: Thomas Alva Edison hatte hier zweifelsfrei die Glühbirne erfunden, der Chef-Ingenieur seiner Firma, William K. L. Dickson, erfand das Kinetoskop.