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Schillers Wohnhaus
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Reisen mit Goethe:
Weimar

Aus Wilhelm Bode: Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen

Jena, 1. November 1790, Schiller an Körner

Übrigens ergeht's ihm närrisch genug. Er fängt an, alt zu werden, und die so oft von ihm gelästerte Weiberliebe scheint sich an ihm rächen zu wollen.

Er wird, wie ich fürchte, eine Torheit begehen, und das gewöhnliche Schicksal eines alten Hagestolzen haben. Sein Mädchen ist eine Mamsell Vulpius, die ein Kind von ihm hat und sich nun in seinem Hause fast so gut als etabliert hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er sie in wenigen Jahren heiratet.

Sein Kind soll er sehr liebhaben, und er wird sich bereden, dass, wenn er das Mädchen heiratet, es dem Kinde zuliebe geschehe, und dass dieses wenigstens das Lächerliche dabei vermindern könnte.

Regensburg, 21. Februar 1791 Albertine von Grün an Höpfner

Dass Goethe sein Mädchen genommen, dadurch gewinnt er zehnmal mehr bei mir, als wenn er sie verlassen und eine sehr glänzende Partie getan.

Für den Verlust des guten Rufs sind ja keine Schätze in der Welt Ersatz. Was konnte er also anderes geben als seine Hand?

Gott segne ihn und mache ihn recht glücklich! Ich bin ihm manche vergnügte Stunde meines Lebens schuldig.

Gotha, 20. März 1792 David Veit an Rahel Levin

...Goethe ist hier unter vielen Volksklassen (ich habe in den sechs Stunden viel Leute gsprochen) als sehr freundlich, gutmütig bekannt und hat die allgemeine Achtung und Liebe. Die mittlern Stände nennen ihn den Genius des Orts...

Die Vulpius ist 26 bis 27 Jahre alt...Das Antrauen war die Folge des jungen Goethe, der jetzt im dritten Jahre sein soll. Er unterstützt die ganze Familie, schafft dem Bruder, der Schriftsteller ist, Verleger usw.

Zur Cour kommt Goethe freilich. Aber wenn der hohe Adel bei dem Herzog speist, kann er nicht zur Tafel gezogen werden. Diesen hohen Adel habe ich gestern bei der Herzogin in einem Saale speisen sehen, über welchem eine Galerie für die Zuschauer erbaut ist...

Weimar, 24. Oktober 1806 Johanna Schopenhauer an ihren Sohn

Goethe hat sich am Sonntag mit seiner alten gelieben Vulpius, der Mutter seines Sohnes, trauen lassen...

Ich empfing sie, als ob ich nicht wüsste, wer sie vorher gewesen ist. Ich denke, wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, können wir ihr wohl eine Tasse Tee geben.

Ich sah deutlich wie sehr mein Benehmen ihn freute. Es waren noch einige Damen bei mir, die erst formell und steif waren und hernach meinem Beispiel folgten...

Sie war in der Tat sehr verlegen, aber ich half ihr bald durch. In meiner Lage und bei dem Ansehen und der Liebe, die ich mir hier in kurzer Zeit erworben habe, kann ich ihr das gesellschaftliche Leben sehr erleichtern. Goethe wünscht es und hat Vertrauen zu mir, und ich werde es gewiß verdienen. Morgen will ich meine Gegenvisite machen.

Kopenhagen, 15. Dezember 1806 Charlotte von Schimmelmann an Charlotte Schiller

Goethes skandalöse Hochzeit hat einen jeden geärgert. Man schrieb uns gleich, dass die Kanonen von Jena sein Hochzeitslied und sieben brennende Häuser in Weimar seine Hochzeitsfackeln gewesen wären! Und eine solche Wahl der Person! Alles war in Harmonie, nur keine Muse war dabei.

Heidelberg, 26. April 1807 Voss der Jüngere an Abeken

Mir war es rührend, wie Goethe am zweiten Abend nach der Schlacht, als wir um ihn versammelt waren, der Vulpius für ihre Treue in diesen unruhigen Tagen dankte und mit den Worten schloss: "So Gott will, sind wir morgen mittag Mann und Frau."

Goethes Heirat scheint mir die Frucht von seinem damaligen Gefühl gewesen zu sein, dass auf Erden eine allgemeine Gleichheit eingetreten sei. Er dachte wohl zunächst and die möglichen Wechsel der Dinge und wünschte die versorgt, der er doch so viele Verbindlichkeiten schuldig ist.

Die Vulpius mag sein, was sie will, für Goethe hat sie von jeher mit beispielloser Treue gewacht, und sie durfte mit Recht Anspruch auf seine Dankbarkeit machen...

Und welchen Zeitpunkt konnte Goethe bequemer wählen, das zu tun, was er schon lange hat tun wollen, als zu einer Zeit, wo die Stadtfama mit viel wichtigeren Dingen beschäftigt war, als auf eine solche Kleinigkeit zu merken. Als man sich wieder besinnen konnte, war Goethes Heirat schon etwas Altes und Verjährtes.

Lieber, die Vulpius ist nicht so schlimm, wie du sie denken magst. Sie ist sinnlich, das heißt auf Vergnügungen ausgehend. Aber solange ich sie kenne, hat sie nichts getan, was auch bei dem strengsten Rigoristen ihr Renommee verdächtig machen könnte. Man braucht sie wahrlich nicht zu überschätzen; man lasse ihr nur, was sie hat...

Übrigens leben Goethe und seine Frau wie vorher. Er nennt sie "liebes Kind" wie vorher und sie ihn "lieber Geheimrat" und "Sie" wie vorher. Sie macht in ruhigen Tagen ihre Lustpartien, sie hat ihre Schauspielergesellschaften, alles wie vorher.

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