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Haus der Frau von Stein
Haus der Frau von Stein

Reisen mit Goethe:
Charlotte von Stein

Weimar, 10. Mai 1776, Charlotte von Stein an Zimmermann

Mir geht's mit Goethen wunderbar. Nach acht Tagen, wie er mich so heftig verlassen hat, kommt er mit einem Übermaß von Liebe wieder. Ich hab zu mancherlei Betrachtungen durch Goethen Anlaß bekommen; je mehr ein Mensch fassen kann, deucht es mir, je dunkler, anstöß'ger wird ihn das Ganze, je eher fehlt man den ruhigen Weg. Gewiss hatten die gefallnen Engel mehr Verstand wie die übrigen...

Ich bin durch unsern lieben Goethe ins Deutsch-Schreiben gekommen, wie Sie sehen, und ich dank's ihm. Was wird er wohl noch mehr aus mir machen? Denn, wenn er hier, lebt er immer um mich herum. Jetzt nenn ich ihn meinen Heiligen, und darüber ist er mir unsichtbar worden, seit einigen Tagen verschwunden, und lebt in der Erde fünf Meilen von hier in Bergwerke...In Goethens Garten hab ich schon einmal Kaffee getrunken und von seinen Spargel gegessen, den er selbst gestochen und in seinen Ziehbrunnen gewaschen hatte. In Goethens Garten ist die schönste Aussicht, die hier zu haben ist. Er liegt an einen Berg, und unten ist die Wiese, die von einem kleinen Fluß durchschlungen wird.

Weimar, 7. Juli 1783 Charlotte von Stein an Knebel

Goethe, mein treuer Abendgast, ...unterhält mich oft von Ihnen ...

Herder ist gar gutmütig und Wieland recht freundschaftlich...Der Herzog ist recht gut, verständig und liebenswürdig, Goethe weise. Erfahrung und Gesundheit können ihn noch zum Meister machen. Ich halte mich glücklich, daß mir beschieden ist, seine goldenen Sprüche zu hören

Er hat Fritz [von Stein] zu sich genommen und hat eine vortreffliche Art, mit ihm umzugehen. Sie können sich vorstellen, wie mich das beruhigt.

Weimar, 1. Mai 1784, Charlotte von Stein an Knebel

Herders neue Schrift ["Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit"] macht wahrscheinlich, daß wir erst Pflanzen und Tiere waren; was nun die Natur weiter aus uns stampfen wird, wird uns wohl unbekannt bleiben. Goethe grübelt jetzt gar denkreich in diesen Dingen, und jedes, was erst durch seine Vorstellung gegangen ist, wird äußerst interessant. So sind mir's durch ihn die gehässigen Knochen geworden und das öde Steinreich.

Weimar, 10. Mai 1786, Charlotte von Stein an Knebel

Goethe lebt in seinen Betrachtungen, aber er teilt sie nicht mit. Dies ist eine Tugend, die Sie nur besitzen! Aber ich bedauere den armen Goethe: Wem wohl ist, der spricht!

Weimar, 25. Dezember 1786, Charlotte von Stein an Charlotte von Lengefeld

Aus Rom habe ich viele hübsche Briefe vom Goethe, die ich Ihnen wenn Sie zu kommen, will zu lesen geben. Daß er wieder zu uns zurück will, ist gewiß sein Vorsatz; aber der Himmel beschließt manchmal anders, als wir gebundene Sterbliche wollen. Ein bißchen unartig hat er seine Freunde verlassen.

Frankfurt, 29. Januar 1787, Elisabeth Goethe an Charlotte von Stein

Ich freue mich, daß die Sehnsucht, Rom zu sehen, meinem Sohne geglückt ist. Es war von Jugend auf sein Tagsgedanke, nachts sein Traum. ..Ich empfehle mich und meinen Sohn aufs beste in Dero und des Herrn Gemahls...fortdaurende Liebe und Freundschaft

Weimar, 12. August 1787, Schiller an Körner

...Dieser Tage habe ich in großer adliger Gesellschafat einen höchst langweilig Spaziergang machen müssen. Das ist ein notwendiges Übel, in das mich mein Verhältnis mit Charlotten [von Kalb] gestürzt hat - und wieviel flache Kreaturen kommen einem da vor. Die Beste unter allen war Frau von Stein, eine wahrhaftig eigene, interessante Person, und von der ich begreife, daß Goethe sich so ganz an sie attachiert hat. Schön kann sie nie gewesen sein, aber ihr Gesicht hat einen sanften Ernst und eine ganz eigene Offenheit. Ein gesunder Verstand, Gefühl und Wahrheit liegen in ihrem Wesen. Diese Frau besitzt vielleicht über tausend Briefe von Goethe, und aus Italien hat er ihr noch jede Woche geschrieben. Man sagt, dass ihr Umgang ganz rein und untadelhaft sein soll...

Weimar, 28. Dezember 1787, Charlotte von Stein an Charlotte von Lengefeld

Goethe schreibt mir alle Sonntage und ist glücklich, fröhlich und ganz selig. Im letzten Brief schickte er mir aus seiner ungeschmolzenen Claudine eine Vers, hier ist er: Liebe schwärmt auf allen Wegen, Treue wohnt für sich allein; Liebe kommt euch rasch entgegen, Aufgesucht will Treue sein.

Weimar, 12. September 1788, Karoline Herder an ihren Mann

...etwas von der Kochberger Fahrt...den 5., früh 6 Uhr fuhren wir ab, Goethe, die kleine Schardt, ich und Fritz [von Stein]... Lotte Lengefeld kam zuerst, uns zu empfangen, dann die Frau von Stein, die uns alle freundlich empfing, doch ihn [Goethe] ohne Herz. Das verstimmt ihn den ganzen Tag.

Weimar, 24. Oktober 1788, Karoline Herder an ihren Mann

...diesen Augenblick war die Stein eine Viertelstunde bei mir...Gegen mich war sie trocken und kalt... Der Ton oder die Art und Gelegenheit, wie sie's mir sagte, fiel mir auf. In ihrem Herzen wird sie's wohl dem Umgang mit Goethe zuschreiben, den ich alle Woche einmal sehe. Die Zusammenkünfte mit ihr und Goethe werden also diesen Winter nicht erbaulich werden, und es werden ihrer wenig sein. Sobald man Eifersucht errgt, so ist man in allem schuldig.

Weimar, 7. November 1788, Karoline Herder an ihren Mann

Wie sie [Charlotte von Stein] mit Goethe steht, weiß ich nicht; sie sprach sehr kalt von ihm, und ich hüte mich jetzt, diese Seite zu berühren. Es geht mich nicht an. Sie hat mich in der Komödie gestern bemerkt, da ich zwei Worte mit ihm sprach. Das ist fatal. Auch kommt er jetzt seltner zu mir.

Weimar, 23. Februar 1789, Karoline Herder an ihren Mann

Vorgestern hat mich die regierende Herzogin zu sich kommen lassen; sie war sehr gut; wir sprachen meist von Dir und Napel... Dann sprachen wir von Goethe und der Stein. Das Verhältnis ist noch immer nicht im Gleis. Sie will nicht verzeihen und er nicht um Verzeihung bitten, so scheint es uns. Ich mag nicht tiefer hineinsehn. Ich denke, er sei's wohl wert, daß man um ihn etwas leidet.

Weimar, 8. März 1789, Karoline Herder an ihren Mann

Ich habe nun das Geheimnis von der Stein selbst, warum sie mit Goethe nicht mehr recht gut sein will. Er hat die junge Vulpius zu seinem Klärchen und läßt sie oft zu sich kommen usw. Sie verdenkt ihm dies sehr. Da er ein so vorzüglicher Mensch ist, auch schon 40 Jahre alt ist, so sollte er nichts tun, wodurch er sich zu den andern so herabwürdigt. Was meinst Du hierüber?

Weimar, 13. Juni 1792, Charlotte von Stein an ihren Sohn Friedrich

Von unserem ehemaligen Freund habe ich wieder etwas schlechtes gehört. Wenn ich ihn nur aus meinem Gedächtnis wischen könnte!

Weimar, 19. Juni, 1796, Charlotte von Stein an Charlotte Schiller

Augustchen [der Sohn Goethes mit Christiane Vulpius] brachte mir gar letzt seinen Vater geführt, als ich unter den Orangenbäumen vor meinem Hause saß. Er nahm es an, sich neben mich zu setzen. Es ist mir noch immer unbegreiflich, das er mir so fremd werden konnte.

Weimar, 2. Januar, 1797, Charlotte von Stein an Charlotte Schiller

Stellen Sie sich vor, dass die Jungfer Vulpius mir eine Torte zum Geburtstag geschickt hat! Goethe ist ein ungeschickter Mensch; er wollte, August sollte mich damit anbinden; konnte er nicht ein Zettelchen dazu schreiben, anstatt dass die Magd mit dem stattlichen Kuchen und einem Kompliment der Mlle. V[ulpius] , eben da ich Besuch hatte, mit ins Kabinett trat? Das gibt nun eine ordentliche Stadtgeschichte, wo ich drüber ausgelacht werde.

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