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Prag

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Prag Moldau
Moldau

Altstädter Ring, Tyn
Altstädter Ring, Tyn

astronomische Uhr, Altstädter Rathaus
astronomische Uhr, Altstädter Rathaus

Carolinum
Carolinum

Emmaus-Kloster
Emmaus-Kloster

Altneu-Schul Synagoge, Josefov
Altneu-Schul Synagoge, Josefov

Prager Burg
Prager Burg

RepräsentantenhausRepräsentantenhaus

HajeHaje

Städte-Reisen: Prag
Architektur & Geschichte

Guiseppe Arcimboldo: Rudolf II
Rudolf II von Guiseppe Arcimboldo

Orbis sensualis pictusJan Amos Comenius, Orbis sensualium pictus: "Innenstadt

In Prag bewundern jedes Jahr Millionen Besucher aller Länder

Häuserfassaden, Adelspaläste, Kirchen und Klöster in Renaissance- und Barockstil,

die mittelalterliche Burg und Veits-Kathedrale, die Karlsbrücke, die gotischen Bürger- und Ratshäuser, Kirchen und Synagogen.

Das einzigartige geschlossene Ensemble des Prager historischen Stadtzentrums, der Altstadt, der Karlsbrücke, der Kleinseite und der Burg ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes.

Auf den beiden gegenüberliegenden Prager Burgen sind romanische Basiliken erhalten, die Häuser, Kirchen und Synagogen der Stadt stehen auf den Fundamenten der

romanischen Stadtgründung.

Außerdem sehen können Sie in Prag

eindrucksvolle Jugendstilgebäude und ungewöhnliche kubistische Architektur,

funktionalistische Geschäftsgebäude und Wohnhäuser der 1920er und 1930er Jahre.

Die großen Plattenbau-Siedlungen am Rand von Prag stammen aus den 1950er Jahren.

Seit den 1990er Jahren entsteht vor allem in den ehemaligen Prager Industriegebieten Smíchov, Karlín und Holešovice

neueste internationale Architektur.

Prag gehört zu den ältesten Hauptstädten Europas. Sie besichtigen hier auf engem Raum mehr als 1000 Jahre europäische Architektur. Sie folgen der Geschichte, den Geschichten, Legenden und Mythen von

keltischen Siedlungen und romanischer Stadtgründung,

mittelalterlichen Königen und Kaisern,

protestantischer Reformation und dreißigjährigem Krieg,

katholischer Gegenreformation, Mystik, Magie und Alchemie,

Aufklärung, nationalen Bewegungen und Industrialisierung,

erstem, zweitem Weltkrieg,

demokratischer Republik, Stalinismus,

Reformbewegung und Charta 77,

samtener Revolution und Beitritt zur Europäischen Union.

>> gedruckte Reiseführer & Karten >> Adressen & Links >> Unterkunft in Prag, Hotels

Bronzezeit, Keltische Funde

Nördlich von Prag liegt das Tal von Únětice - Aunjetitz. Das hier von dem Hobby-Archäologen Čeněk Rýzner gefundene Gräberfeld gab der europäischen Früh-Bronzezeit den Namen. Sie gelangen nach Únětice mit dem Bus 355,359 von der Haltestelle Dejvická (Metro A, Tram 2,20,26, Bus 107,119,147,161,217,218,312,316,340,350).

Auf dem Gebiet von Prag siedelten 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung Kelten. Der Name "Böhmen" stammt von den keltischen Bojern.

Sie wandern im Süden Prags im Naturschutzreservat Sance den Keltischen Naturlehrpfad entlang auf dem Boden der keltischen Stadt und Burg Zavist. Von Zavist aus haben Sie einen guten Blick über das Břežany-Tal (vom Tal aus: Bushaltestelle Zavist oder Bahnhof Zbraslav - Zbraslavské náměstí, Bus 165 über Lahovice oder Modřany, von oben: Stadtteil Tocnà, Bus 173 aus Modřany, entlang der Straße Na strankach zum Naturlehrpfad). >> Foto Zavist

Romanische Stadtgründung

An der Prager Moldaufurt kreuzen sich die Handelswege: Germanen, Römer, Hunnen und Awaren halten sich hier auf. Ab dem 5. und 6. Jahrhundert siedeln auf dem Gebiet Slawen.

Der Legende nach beginnt die Geschichte Prags auf der Burg Vyšehrad: Hier soll im 7. Jahrhundert die Fürstentochter Libuše den armen Pflüger Přemysl geheiratet haben. Die Existenz von Burg Vyšehrad ist ab dem 10. Jahrhundert belegt. Sie finden heute auf Vyšehrad als ältestes erhaltenes Bauwerk die Rundkirche St. Martin - Rotunda sv. Martina - aus dem 11. Jahrhundert >> Foto romanische Rotunde, Vyšehrad (Haltestelle Vyšehrad, Metro C vom Hauptbahnhof - Hlavní nádraží - oder Busbahnhof Florenc aus oder Haltestelle Albertov, Tram 7,8,24, Haltestelle Výtoň, Tram 3,7,17,16)
...mehr zu Vyšehrad >>

Ausgrabungen nach ist die Prager Burg - Pražský Hrad - älter. Fakt ist: Die Dynastie der Přemysliden setzt sich durch und macht die Prager Burg zu ihrer Residenz >> Fotos der Prager Burg (Haltestelle Pražský Hrad, Tram 22, Haltestelle Hradčanská, Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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Im 9. Jahrhundert zwingt Karl der Große die böhmischen Kleinherren zu Tribut, Christentum und politischer Einheit. Beim Zerfall des Franken-Reichs wird Böhmen Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Um 965 beschreibt der Reisende Ibrahim Ibn Jakub aus dem spanischen Tolosa Prag als steinerne Stadt, in der Russen, Slawen, Juden und Türken Handel treiben.

Die Přemysliden können sich an der Macht halten. Im Verlauf von familien-internen Meinungsverschiedenheiten und Machtkämpfen erschlägt im 10. Jahrhundert ein - heidnischer - Boleslaw seinen - christlichen - Bruder Václav - Wenzel. Noch im selben Jahrhundert wird Václav zum Nationalheiligen, er ist der Mittelpunkt zahlreicher Legenden.

Seit 973 ist Prag Bistumssitz. 1085 krönt Kaiser Heinrich IV den ersten böhmischen König Vratislav II.

Aus romanischer Zeit finden Sie auf der Prager Burg - Pražský Hrad - Fundamente. Unter dem durch die Jahrhunderte vielfach umgestalteten Alten Königspalast - Starý Královský Palác - können Sie die Reste des romanischen Fürstenpalasts aus dem 9. Jahrhundert sehen. Der älteste erhaltene Bau auf der Burg ist die Basilika St. Georg - Bazilika Sv Jiří - aus dem Jahr 1142, der Vorgängerbau stammt aus dem Jahr 920. In der Basilika befindet sich der Sarkophag des 921 gestorbenen Vratislav I. und das Grab der im gleichen Jahr ermordeten heiligen Ludmila. Das Innere der Basilika hat eine um 1900 erfolgte Restaurierung wieder in den romanischen Zustand versetzt. An die Basilika schließt der barocke Umbau des ursprünglich 973 errichteten Benediktinerinnen-Klosters an (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

Der heilige Wenzel lässt für die Reliquien des heiligen Veit auf dem Gelände der Burg von 926-29 eine romanische Rundkirche errichten. Heute befindet sich hier die 1358-67 errichtete Wenzelskapelle des Veitsdom - Chrám sv. Víta (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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Aus dem Jahr 993 stammt ursprünglich das Benediktiner-Kloster Břevnov - Břevnovský klášter - am Stadtrand von Prag. Sie können dort noch Relikte der romanischen Bauten sehen. Die Klostergebäude sind ein barockes Ensemble des 18. Jahrhunderts (westlich des Stadtzentrums Richtung Weißer Berg - Bílá hora, Haltestelle Břevnovský klášter, Tram 22,25,15).

Aus den Jahren 995-997 datiert die Bewilligung des Baus einer jüdischen Stadt. Zunächst siedeln Juden am Fuß der Burg, im 12. Jahrhundert dehnt sich die Siedlung aus in das später Josephsstadt - Josefov - genannte jüdische Viertel auf der anderen Seite der Moldau (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - Metro A, Tram 17,18, Bus 207)
...mehr zum jüdischen Viertel - Josefov >>

Als Gegengewicht zu dem wachsenden wirtschaftlichen und politischen Einfluß der Kaufleute, Handwerker und Gewerbetreibenden lassen die Prager Fürsten und Könige Kirchen bauen: Um 1200 gibt es im Stadtgebiet um die Prager Burgen an die 40 Kirchen.

Erhalten ist die romanische Heiligkreuz-Kapelle - Kaple sv. Kříže - aus dem Jahr 1100 an der Konviktsgasse - Konvíktská - Ecke Karoliny Světlé (Haltestelle Národní divadlo - Nationaltheater,Tram 6,9,17,18,21,22,23 ab Haltestelle Národní třída, Metro B).

Das 1140 gegründete Kloster Strahov - Strahovský klášter - auf dem Burgberg brannte 1258 ab. Die heute zu sehenden Klostergebäude stammen überwiegend aus der Zeit des Barock >> Foto der Kloster Strahov (Haltestelle Poholeřec, Tram 22,23)
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Aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist in der Nähe des Karlsplatzes - Karlovo námêstí - die Rundkapelle St. Longinus - Rotunda sv. Longina (hinter der Stephanskirche an der Štepánská, Na Rybníčku, Tram 4,6,10,16,17,22) .

Ab 1172 führt die Judith-Brücke über die Moldau. Aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist an der Karlsbrücke - Karlův most der niedrigere Brückenturm der Kleinseite >> Foto Karlsbrücke und Kleinseite (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23)
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Aus den Jahren 1178-87 stammt ursprünglich die Kirche St. Martin in der Mauer - Kostel sv. Martina ve zdi - an der Martinská, das Gebäude wird im 14. Jahrhundert in gotischem Stil erweitert (Haltestelle Můstek, Metro A,B).

Ebenfalls ursprünglich im 12. Jahrhundert auf der Kleinseite - Malá Strana - errichtet ist die gotisch und barock umgestaltete Kirche Maria unter der Kette - Kostel panny Marie pod řêtezem (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12, 20, 22, 23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12, 18, 20, 22, 23).

Die Handelsrechte einer Siedlung deutscher Fernhandels-Kaufleute sind 1174-78 beurkundet. Ihr Gebiet wird von der Kleinseite am Fuß der Prager Burg verlegt auf die gegenüberliegende Moldau-Seite zum Zollamt am Ungelt bzw. Teynhof - Týnský dvúr >> Foto Tynkirche (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - Metro A, Tram 17,18, Bus 207).

Die Häuser um den Altstädter Ring - Staromêstská - stehen noch heute auf romanischen Fundamenten. Um Überflutung durch die Moldau zu vermeiden, wird um 1210 das Straßenniveau 3 Meter angehoben. Das Erdgeschoss der romanischen Bauten ist so der Keller der gotischen Häuser (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - , Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Einen gut erhaltenen romanischen Keller können Sie im Palais der Herren von Kunstadt und Podebrad - Dům pánů z Kunštátu - besichtigen (Řetêzová 3, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - Metro A, Tram 17,18, Bus 207).

Gotische Bauten

Vom 13. bis 16. Jahrhundert entwickelt sich Prag zum europäischen politischen, religiösen und kulturellen Zentrum. Goldfunde und die Silberminen von Jihlava und Kutná Hora machen die böhmischen Könige reich. Unter dem Luxemburger Karl IV. ist die Stadt im 14. Jahrhundert einige Jahrzehnte lang Kaisersitz.

1232-34 ziehen süddeutsche Kaufleute in die Gegend der heutigen Galluskirche - Kostel sv. Havel (Havelská, Haltestelle Můstek, Metro A,B).

Ursprünglich aus dem Jahr 1232 stammt die St. Jakobskirche - Kostel sv. Jakuba - hinter dem Teynhof - Týnský dvúr. Sie wurde im 17. Jahrhundert in barockem Stil umgestaltet (Malá Štupartská, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - Metro A, Tram 17,18, Bus 207).

1234 gründet König Wenzel I mit seiner Schwester Agnes in Prag den Franziskaner-Orden der Klarissinen. Agnes war die erste Äbtissin. Das bis 1280 errichtete St. Agnes Kloster - Klášter sv. Anežsky - können Sie besichtigen. König Wenzel I, seine Frau Kunigunde und seine Schwester Agnes sind in den Klosterkirchen begraben (U Milosrdných 17, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Haltestelle Dlouhá trída, Tram 5,8,14, Haltestelle Právnická fakulta, Tram 17).

Stadtrechte erhalten 1235 die Altstadt - Staré Mêsto, 1257 die Kleinseite - Malá Strana.

Margarete von Babenberg bringt 1253 Österreich mit in die Ehe. Das böhmische Herrschaftsgebiet dehnt sich bis zur Adria aus. Der Deutsche Ritterorden kolonisiert von Prag aus den Osten.

1270 beginnt der Bau der Altneusynagoge bzw. Altneuschul - Staranová synagoga >> Foto Altneu-Synagoge (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207). Wie in ganz Europa ist den Prager Juden die Aufnahme in Handwerkerstände und Zünfte verwehrt, ihnen bleibt der Handel mit Waren und Geld. Christliche Intoleranz und Aberglaube führen über Jahrhunderte hinweg zu Ausgrenzung, Progromen und Vertreibung. Könige und Bürger sind immer wieder versucht, die prekäre, rechtsunsichere Lage der jüdischen Kaufleute auszunutzen
...mehr zum jüdischen Viertel - Josefov >>

1278 verliert Otakar II die österreichischen Gebiete und sein Leben im Kampf gegen den Schweizer und Elsässer Herrscher Rudolf von Habsburg. Mit dem Tod des Königs Václav III erlischt 1306 die Přemysl-Dynastie. Die Rheinfürsten verhindern den Griff der Habsburger nach der Macht: Mit ihrer Unterstützung wird Heinrich VIII von Luxemburg deutscher König. Sein Sohn Johann von Luxemburg erhält die böhmische Königskrone: Er heiratet die Schwester des letzten Přemysl-Königs Václav III. Die beiden lassen ihren Sohn Karl IV in Frankreich und Italien erziehen.

Ab 1320 hat die Siedlung auf dem Burgberg - Hradčany - Stadtrechte.

1333 beginnt der französische Baumeister Matthias von Arras mit der Erneuerung der Prager Burg - Pražský Hrad - für den Thronfolger Karl IV. Vorbild der Umgestaltung ist der Pariser Königspalast (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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Die Altstadt erhält 1338 eigene Gerichtsbarkeit und Verwaltungshoheit. Aus einer Reihe gotischer Bürgerhäuser entsteht das Altstädter Rathaus - Staromêstská radnice (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Aus den Jahren 1339 - 71 stammt die Kirche St. Aegiudius - Kostel sv. Jiljí - an der Husova trída - Husstraße (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - , Metro A, Tram 18,17, Bus 207). Hier predigt der Vorläufer von Jan Hus, Jan Milíč aus Kroměříž.

1340 entsteht die Galluskirche - Kostel sv. Havel (Havelská, Haltestelle Můstek, Metro A,B).

Ab 1344 ist Prag Erzbistum. Aus diesem Anlass beginnt Johann von Luxemburg im gleichen Jahr den Bau des Veitsdom - Chrám sv. Víta - unter Leitung des Baumeisters Matthias von Arras (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

Nach dem Tod Johann von Luxemburgs wird 1346 sein Sohn Karl IV König von Böhmen.

Bei der Universitätsgründung ist Prag 1348 anderen Städten ein Stück voraus: 1364 folgt Krakau, 1365 Wien, 1367 das ungarische Pécs. Nach dem Vorbild von Paris und Oxford gliedert sich die Prager Universität in "Nationen": Böhmen, Polen, Bayern und Sachsen.

Das älteste Gebäude des Collegium Carolinum - der Karlsuniversität - befindet sich an der Ecke der Altstädter Straßen Ovocný trh und Železná. Den Kern bildet ein Wohnhaus aus dem Jahr 1340. Sie finden hier noch heute mit einer inzwischen barocken Fassade das Rektorat, die Aula und die Promotionsräume der Prager Universität >> Foto Carolinum (Haltestelle Můstek, Metro A,B oder náměstí Republiky, Metro B).

1348-1357 lässt Karl IV 30 km außerhalb der Stadt auf einem Berg über dem Tal der Berounka Schloss Karlštejn errichten. Zu der landschaftlich schön gelegenen gotischen Burg fahren regelmäßig Züge vom Prager Hauptbahnhof aus.

1348-97 entsteht in Konkurrenz zum Veitsdom in der Neustadt am heutigen Jungmann-Platz - Jungmannovo náměstí - der Altarraum der Maria Schnee Kirche - Kostel Panny Marie Sněžné (Jungmannovo náměstí, Haltestelle Můstek; Metro A,B). Die Maria Schnee Kirche ist die höchste Kirche Prags, doch ist sie nie fertig geworden, den Bau unterbrechen die Hussiten-Kriege.

Aus dem Jahr 1350 stammt in der Neustadt die Kirche Mariä Himmelfahrt und Karl der Große - Kostel Nanebevzetí Panny Marie a Karla Velikého oder einfacher Karlskirche - Na Karlově nach dem Vorbild der Aachener Begräbniskapelle Karls des Großen (Ke Karlovu, Haltestelle I.P.Pavlova, Metro C, Tram 4,10,11,16,17,22, Bus 291).

1351 beginnt der Bau der Kirche St. Stephan - Kostel sv. Štěpaná an der Stephansgasse - Štěpanská in der Nähe des Karlsplatzes (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

Nach dem Tod des französischen Architekten Matthias von Arras 1352 baut der Schwabe Peter Parler am Veitsdom weiter. Karl IV sammelt für den Dom Reliquien in ganz Europa (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

1355 wählen die Fürsten Karl IV zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Prag steigt zur Kaiserresidenz auf. Der weltliche und kirchliche Adel Europas belebt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Die Bevölkerung Prags verdoppelt sich.

1356 hält sich im Auftrag der Mailänder Visconti der Dichter Francesco Petrarca am Prager Hof auf. Karl IV hat ihn in Italien kennengelernt.

1357 beginnt Peter Parler mit dem Bau der Karlsbrücke - Karlův most. Sie ersetzt die 1342 bei einem Hochwasser eingestürzte Judith-Brücke. Um 1400 sind Brücke und Altstadt-Turm fertiggestellt. Foto Altstädter Brückenturm 500 Jahre lang ist die Brücke die einzige Verbindung der beiden Stadthälften (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Der Bau der Prager Neustadt - Nové Město - im 14. Jahrhundert ist ein Vorläufer moderner Stadtplanung. Die Neustadt ist eine eigenständige Stadt der Handwerker und Gewerbetreibenden - umschlossen von einer Ringmauer mit 13 Toren. Aus den Vieh- und Rossmärkten werden Karls- und Wenzelsplatz, die größten Plätze Prags. Breite Boulevards durchziehen die Neustadt. Bis ins 19. Jahrhundert bleibt ausreichend Raum für Neubauten.

Am Karlsplatz - Karlovo náměstí - entsteht 1360 das Neustädter Rathaus - Novoměstská radnice (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

Ab 1365 wird die Teynkirche - Týnský Chrám oder Kostel Panny Marie před Týnem - gebaut >> Foto Tynkirche (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Karl IV veranlasst den Bau des 1372 fertiggestellten usprünglich 'Na Slovanech' genannten Emmaus Kloster - Klášter Emauzy. Das Kloster ist das slawische Zentrum des Benediktiner-Ordens und dient der Verständigung der slawischen und lateinischen Kirche, mit päpstlicher Erlaubnis werden hier altslawische Messen gelesen. Sie können in dem erhaltenen gotischen Kreuzgang Fresken des 14. Jahrhunderts besichtigen >> Foto Emmauskloster - der Turm wurde im 2. Weltkrieg zerstört (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Mit dem Tod von Karl IV 1378 verliert Prag den Rang der Kaiser-Residenz.

Reformation und Bürger-Krieg

Karls IV Nachfolger Wenzel IV - dem Faulen - verdankt Prag den Brücken-Heiligen: Der Priester Johann von Nepomuk gerät zwischen die Fronten des Konflikts des Königs mit dem Erzbischof Johann von Jenstein. Johann von Nepomuk überlebt die Folter nicht und wird in die Moldau geworfen, der Erzbischof flieht aus Böhmen. Viel spannender als die historisch verbürgte Geschichte ist die später entstandene Legende, Nepomuk sei in die Moldau geworfen worden, weil er das Beichtgeheimnis der Königin nicht verraten wollte. Sie finden eine Statue des Heiligen Nepomuk aus dem Jahr 1683 etwa in der Mitte der Karlsbrücke (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207). Das Grab des Heiligen Nepomuk können Sie im Veitsdom besuchen (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

Ab 1383 befindet sich der königliche Hof am Rand der Altstadt an der Stelle des heutigen Städtischen Repräsentantenhauses - Obecní dům (Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Tram 5,8,12,14,25,26).

1389 brennen Christen jüdische Häuser nieder und ermorden 3000 Juden. Die Eltern des Rabbiners Avigdor Karas kommen dabei ums Leben. Avigdor Karas Schilderung des Pogroms von 1389 wird bis heute jährlich an Jom Kippur in der Prager Altneusynagoge gelesen. Der Grabstein Avigdor Karas aus dem Jahr 1439 ist der älteste erhaltene Grabstein des Alten jüdischen Friedhofs - Starý židovský hřbitov (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Die Schwester des Königs Wenzel IV heiratet den englischen König Richard II. In der Folge studieren böhmische Adlige in Oxford. Hieronymus von Prag hat auf dem Weg nach Hause die Lehren des Theologen John Wycliffe im Gepäck. Wycliffe fordert eine Kirche ohne Besitz und weltliche Macht. 1391 errichten die Anhänger des Reformers Jan Milíč z Kroměříže die Betlehemskapelle. Über 100 Jahre vor Martin Luther und Johannes Calvin sprechen die Prediger hier die Sprache des Volkes - tschechisch, nicht Latein. Ab 1402 predigt in der Betlehemskapelle der Universitätsdozent Jan Hus. Seine religiösen Schriften wirken stilbildend für die tschechische Schriftsprache - so wie später die Schriften Martin Luthers für die deutsche.

An die Reformation und die Hussiten-Kriege erinnern in Prag Namen, Gedenktafeln und Gebäude wie die 1948-54 rekonstruierte Bethlehemskapelle - Betlémská kaple - und das ebenfalls rekonstruierte Wohnhaus von Jan Hus nebenan (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

1409 verwirren drei Päpste die Gläubigen - König Wenzel IV entscheidet sich für Papst Alexander V. An der Prager Universität favorisiert die Mehrheit der universitären "Nationen" Polen, Bayern und Sachsen den Papst Gregor XII. Wenzel IV verändert die Stimmrechte in das Verhältnis Böhmen 3 : 1 für Polen, Bayern, Sachsen und setzt den Rektor ab. Neuer Rektor wird 1409-10 Jan Hus. Magister und Studenten der "Nationen" Polen, Bayern und Sachsen wandern ab zu den Universitäten von Erfurt, Heidelberg, Leipzig, Wien und Krakau.

Aus dem Jahr 1410 stammt die von dem Prager Uhrmachermeister Hanus konstruierte spektakuläre astronomische Rathausuhr (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207). Der Legende nach blenden ihn Prager Bürger kurz darauf, so dass keine andere Stadt eine ähnliche Uhr bei ihm in Auftrag geben kann.

Die Lehre des Jan Hus führt zum Konflikt mit der Kirche. Kaiser Sigismund schickt ihn 1414 mit einem Geleitbrief zum Konzil nach Konstanz. Hus und sein nachgekommener Mitstreiter Hieronymus von Prag sterben auf dem Scheiterhaufen.

König Wenzel IV verbietet auf Druck des Kaisers Sigismund die - hussitische - Kelchkommunion und entlässt hussitische Priester und Ratsherren. In Anschluss an den Gottesdienst in der hussitischen Maria Schnee Kirche - Kostel Panny Marie Sněžné (Jungmannovo náměstí, Haltestelle Můstek; Metro A,B) - stürmt im Juli 1419 der Prediger Jan Želivský mit seinen Anhängern die katholische St. Stefanskirche - Kostel sv. Štěpaná - an der Stephansgasse - Štěpanská in der Nähe des Karlsplatzes (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3), zieht weiter zum Neustädter Rathaus - Novoměstská radnice (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3) und fordert die Freilassung inhaftierter Hussiten. Želivskýs Anhänger werfen drei von Wenzel eingesetzte katholische Ratsherren aus dem Fenster in die Lanzen der aufgebrachten Menschenmenge. König Wenzel gibt dem Druck nach, setzt die entlassenen Hussiten wieder in ihre Ämter ein und erleidet einen Schlaganfall. Er stirbt drei Wochen nach dem ersten Prager Fenstersturz.

Radikale Hussiten plündern Kirchen und Klöster. Jan Želivský fordert eine egalitäre Gesellschaft und beginnt, wohlhabende Bürger zu enteignen. Seine Gefolgschaft besetzt die Prager Rathäuser.

1420 einigen sich die Hussiten auf vier Hauptforderungen: freie und ungehinderte Predigt der Heiligen Schrift, das Abendmahl in beiden Formen für Laien und Geistliche - der Kelch wird zum Symbol der Hussiten, apostolische Einfachheit - Priester sollen nicht über Besitz oder weltliche Macht verfügen - und - gerichtet gegen Ablasszahlungen - Bestrafung von Unmoral.

Kaiser Sigismund versucht mehrfach vergeblich mit Hilfe eines Kreuzfahrerheers das aufständische Böhmen zu erobern, die Hussiten können ihn vereint zurückschlagen. Der adlige Berufsmilitär Jan Žižka von Trocnow hat Erfahrung gesammelt in den Feldzügen des Deutschordens gegen Polen und Litauer, im Krieg der Ungarn gegen die Türken und der Engländer gegen die Franzosen. Zurück in Böhmen stellt er ein Volksheer der Hussiten auf. 1420 verteidigt er Prag am Vítkov Hügel und siegt gegen ein zahlenmäßig überlegenes Kreuzritterheer (Stadtteil Žižkov, Haltestelle Florenc, Metro B,C)
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Die gemäßigten Hussiten richten 1422 Jan Želivský und seine engsten Anhänger auf dem Altstädter Ring hin.

1423 stellt Kaiser Sigismund einwandernden Roma einen Schutzbrief aus. In Frankreich werden die reisenden Roma nach der Ortsangabe des Schutzbriefes "Bohème" genannt. Der Name wird in der Folge zum Synonym für ein ungebundenes Leben in Armut.

Nach Žižkas Tod 1424 übernehmen zwei Feldherren Prokop die Leitung, die Hussiten unternehmen Kriegszüge und Plünderungen über die Grenzen Böhmens hinaus.

Die unterschiedlichen Fraktionen der Hussiten bekämpfen sich selbst. Den überwiegend bürgerlichen und adligen Utraquisten geht es vor allem um religiöse Fragen, die - zusammengefasst - meist Taboriten genannten radikaleren Gruppen aus den unteren Schichten sehen sich am Beginn eines tausendjährigen Gottesreiches und fordern soziale Gleichheit. Es entstehen urchristliche Gemeinden.

Die Utraquisten schlagen 1434 in der Schlacht bei Lipany die Taboriten. 1436 kommt es zum Kompromiss: Die katholische Kirche toleriert die Kelchkommunion und nimmt die von Adligen und Städten durchgeführte Enteignung der Kirche hin. Kaiser Sigismund wird böhmischer König.

Mit Georg von Kunstadt und Podebrad - Jiří z Kunštátu a Poděbrad - regiert von 1458 - 1471 ein utraquistischer König. Die politische Macht liegt bei den adligen Ständen, die Prager Bürger haben sich große Freiräume erobert.

Sie können in der Altstadt das Palais der Herren von Kunstadt und Podebrad - Dům pánů z Kunštátu a Poděbrad - besichtigen, in dem Georg von Podebrad vor der Thronbesteigung wohnte (Řetêzová 3, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Die Teynkirche - Týnský chrám oder Kostel Panny Marie před Týnem - wird zur Hauptkirche der Utraquisten (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207). Georg von Podebrad lässt sein Standbild und einen Kelch als Symbol der Utraquisten auf den Giebel stellen.

1464 wird die Karlsbrücke - Karlův most symmetrisch - Georg von Podebrad gibt einen neuen Kleinseitner Brückenturm in Auftrag. Der Bau ist dem Altstädter Brückenturm nachgebildet und ersetzt einen romanischen Vorgänger (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12, 20, 22, 23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12, 18, 20, 22, 23)
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Die erste unabhängige reformierte Kirche ensteht - die Böhmisch-Mährische Brüdergemeinde. Ihre Mitglieder leben auf der Grundlage der Bergpredigt, leisten keinen Kriegsdienst und nehmen keine Staatsämter an.

1471 bis 1526 stellen polnische Jagellonen die böhmischen Könige und sind nur selten in Prag. Der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken schwelt weiter.

1475 beginnt der Bau des Pulverturms - Prašná Brána - an dem Altstadt-Tor am Ende der Celetná - Zeltnergasse - neben dem - im 19. Jahrhundert abgerissenen - königlichen Hof (Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Tram 5,8,14,91). 1483 passiert im Neustädter Rathaus ein weiterer Fenstersturz: Hussiten werfen den katholischen Bürgermeister aus dem Fenster. König Vladislav II zieht daraufhin auf die Burg, die Bauarbeiten für den Pulverturm werden abgebrochen.

1485 gibt König Vladislav II im Kuttenberger Religionsfrieden den adligen Ständen umfassende Macht. Bauern werden leibeigen, Bürger büßen Vorrechte ein.

1493-1503 entsteht auf der Prager Burg der spätgotische Vladislav-Saal - Vladislavský sál - nach Entwürfen des Baumeisters Benedikt Ried.

1498 wird der Adlige Dalibor von Kozojedy wegen Anstiftung eines Bauernaufstandes in dem seitdem nach ihm benannten Daliborka Turm auf der Burg inhaftiert. Smetana sichert im 19. Jahrhundert mit der Oper Dalibor den Nachruhm (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradcanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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1517 spricht sich Martin Luther in Wittenberg für die Reformation aus, 1518 folgt in Zürich Ulrich Zwingli.

Gegenreformation, Jesuiten, Mystik und Magie, Renaissance und Manierismus

1526 haben die polnischen Jagellonen keinen Nachfolger, die böhmische Krone geht an den am spanischen Hof erzogenen Habsburger Ferdinand I.

1538 ensteht nach Entwürfen des italienischen Baumeisters Paolo delle Stella der Belvedere auf der Burg, ein Renaissance-Lustschloss für die Gattin Ferdinand I (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradcanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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Die anfängliche Faszination für die fremde Kultur der Roma schlägt in Ausgrenzung und Verfolgung um. 1538 schränken in Mähren die ersten Gesetze die Rechte der Roma ein. Drei Jahre später beginnt Ferdinand I mit der Vertreibung als Reaktion auf den großen Prager Stadtbrand.

Das Feuer schafft 1541 am Burgberg und auf der Kleinseite Platz für Renaissance-Paläste: Gegenüber der Burg entstehen das Palais Martinitz - Martinický palác und das Palais Lobkovic - heute Palais Schwarzenberg - Schwarzenberský palác (Hradčanské náměstí, Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22)
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1546 ziehen die protestantischen Fürsten der schmalkaldischen Liga unter Führung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen in den Krieg gegen den Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, den katholischen Habsburger Karl V. Ferdinand I nimmt an der Seite seines Bruders teil, utraquistische böhmische Adlige und Bürger der Städte kämpfen an der Seite des Schmalkaldischen Bundes mit. Nach dem Sieg der Kaiserlichen Truppen bei Mühlberg an der Elbe beschlagnahmt Ferdinand den Besitz der beteiligten Utraquisten und richtet einige der Aufständischen vor der Prager Burg hin. Die Prager Bürger verlieren ihre Privilegien.

Die friedlichen Böhmischen Brüder werden verfolgt und vertrieben: Sie haben sich geweigert, gegen die protestantische schmalkaldische Liga in den Krieg zu ziehen.

1555-58 errichten italienische Baumeister nach einer Idee des Habsburger Erzherzog Ferdinand von Tirol an einem Hang des Weißen Bergs das nach dem Grundriss benannte exzentrische Renaissance-Jagdschloss Stern - Letohrádek hvězda (Břevnov, Haltestelle Bílá Hora, Tram 22,25).

1556 wird Ferdinand I. Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Die Kaiserresidenz ist Wien.

Ebenfalls 1556 kommt mit den Jesuiten die katholische Gegenreformation nach Prag. Ferdinand I. verleiht dem jesuitischen Kolleg Klementinum den Rang einer Universität (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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1557-62 baut Bonifaz Wolmut aus Überlingen am Bodensee auf der Burg: Die Orgelempore im Veitsdom, das Ballhaus im Königsgarten, das Gewölbe im Landtagssaal (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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1560 ensteht der Granovský palác am Teynhof (Týnský dvúr, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring. Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

1562 residiert neben der Prager Burg zum ersten Mal seit 1421 ein katholischer Erzbischof. Der Anteil der Protestanten an der Bevölkerung beträgt 85 Prozent. Die Habsburger fördern die Gegenreformation und versuchen gleichzeitig die böhmischen Protestanten nicht zu provozieren. Die Türkenkriege beanspruchen einen Großteil der militärischen und finanziellen Ressourcen. Ferdinands Nachfolger Maximilian II sichert den böhmischen Protestanten 1575 die geforderte Religionsfreiheit zu.

1578 legen die Prager Jesuiten an der Karlsbrücke mit der Kirche St. Salvator - Kostel sv. Salvatora - den Grundstein für den Bau des 75 Jahre später begonnenen Jesuitenkolleg Klementinum (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - , Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Die Böhmischen Brüder veröffentlichen 1579 - 1593 die Kralitzer Bibel, sie gilt als Höhepunkt klassischer tschechischer Schriftsprache.

1582 entsteht das Palais Smiricky - Palác Smiŕických am Kleinseitner Ring (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

Der Habsburger Rudolf II macht Prag von 1583 - 1611 zur Kaiserresidenz. Die Mitglieder seiner Regierung kommen aus dem katholischen böhmischen Hochadel, so der Kanzler Zdeněk Popel z Lobkovic und der Hofrat Karl von Liechtenstein. Zdeněk Popel z Lobkovic bleibt Kanzler unter den Habsburger Kaisern Matthias und Ferdinand II, Karl von Liechtenstein wird Statthalter und Vizekönig unter Kaiser Ferdinand II.

Aus dem Jahr 1585 stammt das Haus zu den drei Straußen an der Karlsbrücke - Karlův most (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Der Bürgermeister der Prager jüdischen Stadt Mordechai Maisel finanziert die Türkenkriege des Kaisers Rudolf II, gleichzeitig gibt er Geld für die umfangreiche Erneuerung des Ghettos in der Renaissance. Er stiftet die nach ihm benannte Maisel Synagoge - Maiselova synagóga, das Jüdische Rathaus - Židovská radnice - und die Hohe Synagoge - Vysocká synagóga, er holt den berühmten Rabbi Löw nach Prag. Das barock erneuerte jüdische Rathaus und die Hohe Synagoge des 16. Jahrhunderts sind erhalten. Der ursprüngliche Renaissance-Bau der Maisel Synagoge wurde bei einem Brand zerstört, die heutige neo-gotische Synagoge stammt aus den Jahren 1893-1905 (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Seit dem 11./12. Jahrhundert gibt es die jüdische Legende vom Golem, besonders gut passt die Geschichte in die magische Atmosphäre des Prager Hofs Rudolf II. Rabbi Löw soll mit einem Zauberspruch eine Lehmfigur zum Leben erweckt haben, heißt es. Im 19. Jahrhundert verwenden die deutschen Romantiker Achim von Arnim und E.T.A. Hoffmann die unheimliche Geschichte, Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst Gustav Meyrink den Roman "Der Golem" und die Legende wird mit dem Schauspieler und Regisseur Paul Wegener zum Stummfilm Klassiker.

Rudolf II läßt die Regierungsgeschäfte schleifen, lieber beschäftigt er sich mit Wissenschaft und Kunst, Astronomie, Magie und Mystik, Astrologie und Alchimie. An seinem Hof forschen die protestantischen Astronomen Tycho Brahe und Johannes Kepler mit dem jüdischen Historiker und Astronomen David Gans, verkehrt der berühmte Rabbiner Löw, experimentieren die zwielichtigen englischen Alchimisten John Dee und Edward Kelley, hält sich kurzzeitig der von der Kirche verfolgte italienische Philosoph Giordano Bruno auf. Rudolf II ist leidenschaftlicher Sammler von zeitgenössischer und alter Kunst, Kunsthandwerk und Exotika. Von Guiseppe Arcimboldo läßt er sich mit einem Gesicht aus Blumen, Obst und Gemüse porträtieren.

Das Grab Tycho Brahes finden Sie in der Teynkirche - Týnský Chrám oder Kostel Panny Marie před Týnem (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Im Fausthaus - Faustův dům - am Karlsplatz - Karlovo námêstí - wohnte der Dr. Faust ähnliche Alchemist Edward Kelley (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

Die Alchimisten arbeiteten auf der Burg im nördlich des Veitsdoms gelegenen Mihulka Pulverturm - Prašná věž (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradcanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216). Im Weißen Turm - Bílá věž -wurde Edward Kelley gefangen gehalten, nachdem er bei Rudolf II in Ungnade gefallen war.

An der Karlsbrücke - Karlův most - erhält 1591 der niedrige romanische Brückenturm auf der Kleinseite eine Renaissance-Fassade ( Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23)
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Aus dem Jahr 1598 datiert die Genehmigung eines Rathauses im Burg-Viertel Hradčany, das Rathaus am Burgplatz ist 1603 fertig (Loretánska 1, Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

Um 1600 entsteht das bürgerliche Wohnhaus zur Minute - U minuty - am Altstädter Ring, 1889-95 wohnte hier Franz Kafka (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Die Habsburger finden ihre Interessen vom Kaiser schlecht vertreten, Rudolfs jüngerer Bruder Matthias will ihn abzusetzen. Der Kaiser gilt als geisteskrank, er leide an Schwermut und Verfolgungswahn. Die österreichischen, ungarischen und mährischen Stände stellen sich auf die Seite von Matthias, die böhmischen Stände auf die Seite Rudolfs, 1609 gewährt Rudolf den böhmischen Ständen als Gegenleistung Glaubensfreiheit. In einem letzten Versuch die Macht zurückzugewinnen, holt Rudolf Hilfe bei seinem Neffen, dem Passauer Bischof Leopold. Die Passauer Truppen dringen im Januar 1611 plündernd in Prag ein. Die böhmischen Stände stellen sich ihnen entgegen und bitten Matthias um Unterstützung. Rudolf muss abdanken, Matthias wird 1611 zum böhmischen König und 1612 in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gekrönt. Die Kaiserresidenz ist ab jetzt wieder Wien.

Die italienische Gemeinde errichtet 1590-1600 den ersten Barockbau Prags: die Welsche Kapelle. Die Maria Himmelfahrt geweihte Kirche befindet sich am Klementinum zwischen den Kirchen St. Salvator und St. Clemens (Kaple Nanebevzetí Panny Marie, Seminářská, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

1611 beginnen deutsche Lutheraner mit dem Bau zweier Kirchen: 1613 fertiggestellt ist die frühbarocke Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit auf der Kleinseite (heute Maria Victoria Kirche - Kostel panny Marie Vítězné, Karmelitská 13, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23)
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1614 öffnet die Salvatorkirche zwischen Altstädter Ring und jüdischem Viertel (Salvátorská 1, Haltestelle Staromêstská, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Aus dem Jahr 1614 stammt das frühbarocke Westtor der Prager Burg (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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1615-20 bauen die Böhmischen Brüder die gotische Spitalkapelle in der Altstadt in eine Renaissance-Kirche um. Von dem Umbau können Sie noch das Netzrippengewölbe und die Form der Fenster sehen. Der Bau ist heute ein Konzertsaal (Kirche St. Simon und Juda - Kostel sv. Šimona a Judy - U Milosrdných, Nähe St. Agneskloster, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Haltestelle Dlouhá trída, Tram 5,8,14, Haltestelle Právnická fakulta, Tram 17)
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Dreißigjähriger Krieg und neuer Reichtum, Barock

1617 bestimmt Kaiser Matthias den von Jesuiten erzogenen Habsburger Ferdinand II zum König von Böhmen. Im gleichen Jahr beginnt der Umbau des Renaissance-Hauses an der Nummer 21 des Kleinseitner Rings zum Kleinseitner Rathaus (Malostranské náměstí, Haltestelle, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

Ferdinand II entlässt Protestanten, setzt Katholiken ein und reagiert nicht auf Beschwerden. Handgreifliche Prager Bürger planen 1618 im Palais Smiricky - Palác Smiřických - am Kleinseitner Ring den nächsten Prager Fenstersturz (Malostranské náměstí 18, Haltestelle, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23). Eine Delegation der verärgerten Protestanten zieht auf die Burg, findet in der Kanzlei die königlichen Statthalter Jaroslav Martinic und Vilém Slavata und wirft sie zusammen mit dem Sekretär aus dem Fenster. Die Betroffenen landen weich auf einem Misthaufen und können sich in das auf der Burg liegende Palais Lobkovic retten, wo sie Polyxena, die Frau des Kanzlers Zdeněk Popel z Lobkovic verstecken kann (Hradčanské náměstí, Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22). Heute finden Sie in dem Palais auf der Burg historische Ausstellungsstücke des Nationalmuseums, darunter das Schwert, mit dem in der Folge 27 führende Beteiligte des Ständeaufstands auf dem Altstädter Ring das Leben verlieren.

Der dritte - oder je nach Zählung - zweite Prager Fenstersturz steht am Anfang des - letzten - Aufstandes der böhmischen protestantischen Stände und gilt als Beginn des dreißigjährigen Kriegs. Die Stände lehnen den Habsburger Ferdinand II als König ab und wählen den Calvinisten Friedrich von der Pfalz zum böhmischen König.

1620 verlieren die böhmischen protestantischen Stände bei der Schlacht am Weißen Berg - Bílá hora - endgültig gegen die katholischen Truppen (Haltestelle, Tram 22,25).

27 führende Beteiligte des Ständeaufstands werden 1621 auf dem Altstädter Ring geköpft, darunter der Rektor der Prager Karls-Universität Jan Jessenius und der katholische Divis Cernin von Chudenice - er hatte am Tag des Fenstersturzes den Repräsentanten der Stände die Burgtore geöffnet. Die Urteile unterschreibt der Habsburger Statthalter Karl von Liechtenstein.

Sie finden am Altstädter Rathaus eine Tafel mit den Namen der 27 Hingerichteten, die Hinrichtungsstelle ist auf dem Boden gekennzeichnet (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Die siegreichen Katholiken ersetzen den Kelch und das Standbild des utraquistischen Königs Podebrad am Giebel der Teynkirche - Týnský Chrám oder Kostel Panny Marie před Týnem - mit der heute an dieser Stelle sichtbaren Marienfigur. Die Köpfe von 12 hingerichteten Aufständischen hängen zur Abschreckung vom Altstädter Brückenturm der Karlsbrücke (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Die Barmherzigen Brüder übernehmen von den Böhmischen Brüdern das in der Altstadt gelegene Spital mit der Kirche Kirche St. Simon und Juda - Kostel sv. Šimona a Judy (U Milosrdných, Nähe St. Agneskloster, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Haltestelle Dlouhá trída, Tram 5,8,14, Haltestelle Právnická fakulta, Tram 17)
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Der Aufstand in Böhmen mündet in den dreißigjährigen Krieg, in dem die Fürsten der protestantischen Union gegen die Fürsten der katholischen Liga kämpfen, der katholische Habsburger Kaiser gegen die protestantischen dänischen und schwedischen Könige, der katholische französische König auf der Seite der protestantischen Schweden gegen den katholischen Habsburger Kaiser einschreitet, jahrzehntelang Söldnerheere von Kriegsbeute leben und ganze Landstriche verwüsten, katholische und protestantische Stände sich schließlich gegen die Schweden zusammenschließen.

In Böhmen leitet Karl von Liechtenstein die mit der Beschlagnahmung des protestantischen Besitzes befasste Kommission: Protestanten aus ganz Böhmen fliehen in das benachbarte protestantische Sachsen, in die Oberlausitz und andere protestantische Länder. Einige gelangen bis nach Nordamerika. Ihren Besitz erhalten kaiserliche Offiziere und der katholische Adel des Habsburger Reichs.

Insgesamt wird die Hälfte des adligen Grundbesitzes enteignet, neu vergeben oder verkauft. Die Familie der Liechtensteiner erwirbt in dieser Zeit 40 Prozent ihres Grundbesitzes, nach 1620 gehört der Familie 20 Prozent Mährens, in Böhmen ist sie der achtgrößte Grundbesitzer. Die utraquistische Familie Kinský verliert ihren Besitz, mit Ausnahme der zum katholischen Glauben übergetretenen Linie.

Für die zu neuem Wohlstand und Einfluss gekommenen katholischen Familien und die siegreiche Kirche der katholischen Gegenreformation errichten italienische Barock-Baumeister wie Carlo Lurago in Prag und Böhmen Paläste, Kirchen, Kapellen und Mariensäulen. Die alten gotischen Bürgerhäuser weichen den neuen Gebäuden. Handwerker aus Como beherrschen das Prager Bauwesen.

Endgültig reich wird nach der Schlacht am Weißen Berg der 1608 in kaiserlichen Diensten zum Katholizismus übergetretene Oberst Albrecht Valdštejn - Wallenstein. Durch Heirat mit einer älteren Witwe zu Wohlstand gekommen, besitzt er jetzt 25 Landgüter und Schlösser, lukrative Bergwerke, sowie einen Palast auf der Prager Kleinseite.

Der Metzgers-Sohn Pavel Michna von Vacínov steigt zum Grafen auf: Der Heereslieferant ist ein Vertrauter Valdštejns.

Ferdinand II verpachtet von 1622 - 23 das Monopol der Münzprägung, des Ankaufs von Silber und der Ausbeute der böhmischen Silberbergwerke an ein Konsortium unter der Leitung des in Prag ansässigen niederländischen Kaufmann Hans de Witte, des Fürsten Karl von Liechtenstein und des kaiserlichen Oberst Albrecht Valdštejn. Der Heereslieferant Pavel Michna von Vacínov ist ebenfalls beteiligt.

Die Münzen des Konsortiums enthalten wenig Silber: Im Heiligen Römischen Reich praktizieren um 1620 "Wipper und Kipper" betrügerische Münzprägung. Schon Friedrich von der Pfalz hat seine Truppen so finanziert.

An dem Konsortium beteiligt ist auch Jacob Bashevi von Treuenburg, der Finanzier der Habsburger Kaiser Rudolf II, Matthias und Ferdinand II. Er ist der erste im Habsburger Reich geadelte Jude.

1623 nehmen Inflation und Geldentwertung überhand: Der Betrug ist zu Ende, die Münzen werden eingeschmolzen. Der Wert der von den Gesellschaftern des Konsortiums erworbenen Landgüter bleibt stabil, Kaufleute erleiden zum Teil hohe Verluste.

Im gleichen Jahr beginnt der Bau des prunkvollen Wallenstein Palasts - Valdštejnský palác (heute ist hier der Sitz des tschechischen Senats, der Garten ist geöffnet, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12, 20, 22, 23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

1624 übernehmen Karmeliter die Kirche der deutschen Lutheraner auf der Kleinseite und nennen sie Maria Victoria - Kostel panny Marie Vítězné (Karmelitska 13, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23)
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1625 stellt Albrecht Valdštejn auf eigene Kosten ein Sölderheer auf und stellt es dem Kaiser zur Verfügung. Als Gegenleistung verlangt er die Vollmacht zur Besteuerung der eroberten Gebiete: Er kann so wilde Plünderungen vermeiden. Valdštejn erhält den Oberbefehl der katholischen kaiserlichen Truppen.

1625 erwirbt der Heereslieferant Pavel Michna von Vacínov einen aus dem Jahr 1579 stammenden Palast auf der Prager Kleinseite (Týrs Haus, Újezd 40/450, Haltestelle Újezd, Tram 12,20,22,23) und baut ihn in italienischem Barock aus.

1626 ziehen Paulanermönche in die Salvatorkirche der deutschen Lutheraner am Jüdischen Viertel (Salvátorská 1, Haltestelle Staromêstská, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Ab 1626 wird nach italienischem Vorbild die Wallfahrtsstätte Maria Loreto auf dem Burgberg - Hradčany - errichtet (Loretánské náměstí Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

Der Bischof der Böhmisch-Mährischen Brüderunität, der Theologe und Pädagoge Jan Amos Comenius, muss 1627 Böhmen endgültig verlassen. Er veröffentlicht in der Folge seine berühmt gewordenen Werke über Sprache und Didaktik, darunter das erste Bilderbuch für Kinder "Orbis sensualium pictus" mit Erläuterungen in lateinischen, deutscher, tschechischer und ungarischer Sprache.

Ab 1628 entsteht in Gedenken des katholischen Siegs auf dem Weißen Berg - Bílá hora - eine Wallfahrtsstätte (Haltestelle, Tram 22,25).

Zur Wallfahrtstätte wird 1628 auch die Maria Victoria Kirche - Kostel panny Marie Vítězné - auf der Kleinseite: Polyxena von Lobkovic hat den Karmelitern eine spanische "Jesulein" Figur geschenkt (Karmelitská 13, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

Irische Soldaten der Habsburger Armee lassen sich Böhmen nieder, von Königin Elisabeth vertriebene irische Franziskaner gründen 1631 in Prag gegenüber dem Pulverturm das Mönchskloster U Hibernů (Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Tram 5,8,14,91).

1631 ergeht in Zusammenhang mit den minderwertigen Münzen von 1622 ein Haftbefehl gegen Jacob Bashevi von Treuenburg. Jacov Baschevi kann sich auf ein Gut Albrecht Valdštejns retten, er stirbt dort 1634.

Mit Schweden verbündete Sachsen besetzen 1631 Prag. Sie entfernen die Köpfe der 27 im Jahr 1620 hingerichteten protestantischen Aufständischen vom Brückenturm. Valdštejn kann die Stadt zurückerobern.

1634 ist Valdštejn zu mächtig geworden - der Kaiser lässt ihn ermorden. Vertraute Valdštejns wie Wilhelm - Vilem - Graf Kinský müssen ebenfalls sterben. Der große Besitz Valdštejns und seiner Vertrauten wird verteílt. Neuer böhmischer Adel entsteht: Nach dem Ende des dreißigjährigen Kriegs ist die Zahl der ständischen Familien von 194 auf 297 angewachsen.

Beteiligt an dem Mord an Wallenstein war Matthias Gallas de Campo. Er erhält unter anderem ein Grundstück Wilhelm Graf Kinskys in der Prager Altstadt.

Der Frieden zu Prag 1635 eint das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Unter dem Oberbefehl des Kaisers kämpfen katholische und protestantische Fürsten gegen Schweden und Franzosen.

Nach dem Tod von Ferdinand II 1637 wird gegen alle Prager Falschmünzer von 1622 ermittelt. Die Beteiligten sind inzwischen nicht mehr am Leben. Weitere dreißig Jahre später zahlen die Erben Karl von Liechtensteins als Schadensersatz die vergleichsweise geringe Summe von 275.000 Gulden.

1648 nimmt der schwedische General Königsmark die Prager Kleinseite ein. Im gleichen Jahr beendet der Westfälische Friede den dreißigjährigen Krieg, die Schweden ziehen aus Prag wieder ab.

Die Landesfürsten erhalten im Westfälischen Frieden die absolute Hoheit in weltlichen und kirchlichen Angelegenheiten. Kirchlicher Besitz und Bekenntnis des Jahres 1624 werden als gültige Norm festgelegt. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation ist zersplittert, die Möglichkeiten der Habsburger eingeschränkt, in Berlin entsteht unter dem Großen Kurfürst von Brandenburg eine konkurrierende protestantische Macht.

Prag und Böhmen sind fester Bestandteil des absolutistisch regierten Habsburger Reichs. Der katholische kaiserliche Adel repräsentiert ohne ständische Mitbestimmung am Wiener Hof: Mit den Prager barocken Palästen entstehen die entsprechenden Paläste in Wien. Die böhmische Hofkanzlei wird nach Wien verlegt, Böhmen von Wien aus verwaltet. Böhmische Adlige wie der Minister Franz Ulrich Graf Kinsky oder der kaiserliche Hofskriegsrat Wenzel Eusebius Fürst Lobkovic machen Karriere am Wiener Hof.

1653-1770 wird in der Altstadt das Jesuitenkolleg Klementinum neben der Kirche St. Salvator errichtet (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Das steinerne Kreuz auf der Altstadt-Seite ist 1657 das erste Denkmal auf der Karlsbrücke - Karlův most (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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Das Habsburger Reich wächst zur Großmacht und kämpft mit wechselndem Kriegsglück gegen Türken, Franzosen und Preußen. Ab 1654 wird Prag und die Burg Vyšehrad zur barocken Festung ausgebaut.

Die Roma sind als türkische Spione verdächtig. Kaiser Leopold I beginnt mit Erlassen 1697 und 1701 eine Politik der Verfolgung und Ermordung der Roma des Habsburger Reichs.

1658-78 entsteht in der Neustadt am Karlsplatz das Jesuitenkolleg mit der Kirche St. Ignatius - Kostel sv. Ignáce (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

1658-60 wird im Auftrag von Johann Hertwig von Nostitz das gleichnamige Palais - Nostický palác - auf der Kleinseite gebaut (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

1669-92 errichtet der böhmische Statthalter Jan Humprecht Johann Graf Černín ein Palais - Černínský palác - in Hradčany. Ab 1929 arbeitet das tschechische Außenministerium in dem Palais (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

1671-1784 wird die Bibliothek und das Prämonstratenserkloster Strahov - Strahovský klášter - wieder aufgebaut (Haltestelle Poholeřec, Tram 22,23)

1673 ist Baubeginn für das Jesuitenhaus und Gymnasium auf der Kleinseite, die dazugehörige Kirche St. Nikolaus - Kostel sv. Míkuláše - stammt aus den Jahren 1704-55 (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

1674-78 entsteht das Kloster St. Ursula - Klášter sv Voršila - in der Neustadt, 1704 ist die dazugehörige Kirche fertiggestellt (Voršilská, Haltestelle Národní třída, Tram 22,23 Metro B).

1683 stellen die Jesuiten die Statue des heiligen Nepomuk auf die Karlsbrücke - Karlův most (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207). In den folgenden Jahrzehnten füllt sich die Brücke mit Madonnen und Heiligen-Figuren: St. Nicholas (1706), St. Barbara, St. Margaret, St. Elisabeth, St. Anne (1707), St. Kajetan (1709), St. IVo (1711), St. Veit (1714), St. Wenzel mit Großmutter St. Ludmila (1730)
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1679-88 bricht der französische Baumeister Jean Baptiste Mathey das italienische Monopol: Er leitet den Bau der Franziskus-Kirche - Kostel Sv. Františka z Assisi - des Kreuzherrenklosters an der Karlsbrücke (Křižovnické náměstí, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207), gleichzeitig ist Mathey 1679-85 für die Bauarbeiten des außerhalb Prags an der Moldau gelegenen Schloss Troja zuständig. Heute finden Sie in Schloss Troja eine Galerie, nahebei ist ein Botanischer Garten und der Zoo (Trojský Zámek, Haltestelle Zoologická zahrada, Bus 112 ab Haltestelle Nádrazí Holešovice, Metro C, im Sommer können Sie mit dem Boot fahren ab der Brücke Palaského Most beim Karlsplatz - Karlovo náměstí, Metro B).

Ebenfalls unter der Leitung Jean Baptiste Matheys entsteht 1686-92 das Karmelitinnen-Kloster St. Joseph - Kostel sv. Joséfa - auf der Kleinseite (Josefská, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

1691-1717 ist Jean Baptiste Mathey beteiligt am Bau des Theatinerkloster St. Kajetan auf der Kleinseite mit der Kirche St. Maria von der immerwährenden Hilfe - Kostel Panny Marie ustavi né pomoci u kajetánů (Nerudova, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

Aus dem Jahr 1697 stammt das frühbarocke Theater im Kolowrat Palast. Die Bühne des Kolowrat Theaters wird heute vom Nationaltheater bespielt (Ovocný trh 6, Haltestelle Můstek, Metro A,B oder náměstí Republiky, Metro B).

1699 beginnt der Enkel des Wallenstein-Mörders Matthias Gallas, der Habsburger Diplomat Johann Wenzel Gallas, die seinem Grundstück benachbarten Altstadt-Häuser aufzukaufen. 1707 beauftragt er den Wiener Hofarchitekten Johann Fischer von Erlach mit dem Bau eines Palasts - dem Palais Clam-Gallas - Palác Clam-Gallasův. In dem Palais finden heute Ausstellungen des Prager Stadtarchivs statt (Husova 20, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

1702-04 wird auf der Kleinseite ein Palais für die den obersten Münzmeister und Gerichtspräsidenten Franz Karl Prehorovsky errichtet. 1713 muss der verschuldete Graf verkaufen, nach mehrmaligem Besitzerwechsel erwirbt das Palais die Familie Lobkovic. Heute befindet sich in diesem Palais Lobkovic die Deutsche Botschaft (Vlašská 19, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12, 20, 22, 23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12, 18, 20, 22, 23).

Ab 1703 prägt die oberbayrische Architektenfamilie Dientzenhofer das Prager Stadtbild, Christoph Dientzenhofer aus Rosenheim beginnt mit dem Langhaus der Kirche St. Niklas - chrám sv. Mikuláše - auf der Kleinseite - Malá Strana (Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12, 20, 22, 23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23), sein in Prag geborener Sohn Kilian Ignaz Dientzenhofer steuert die weit sichtbaren Türme bei. Das Wohnhaus Christoph Dientzenhofers - ursprünglich aus dem Jahr 1572, von ihm 1685-86 erweitert, finden Sie in der Nähe des Altstädter Rathauses am Kleinen Ring - Malé náměstí Nr. 12 (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207). Heute befindet sich in dem Bau eine Pension.

1712 erwirbt Johan Adam von Liechtenstein, ein Nachfahre des kaiserlichen Falschmünzers von 1622, die verschuldeten Grafschaften Vaduz und Schellenberg. 1719 werden die Grafschaften zum Fürstentum Liechtenstein ernannt. Die Familie Liechtenstein wohnt weiterhin in Wien und in ihrem böhmischen Hauptschloss in Valtice.

1726-31 leitet Kilian Ignaz Dietzenhofer in der Altstadt den Bau des Jesuitenkonvikt St. Bartholomäus, die Kirche des Konvents überbaut die Jerusalemskapelle des Reformators Jan Milíč z Kroměříže (Bartolomějská 9, Haltestelle Národní trída, Metro B, Tram 6,9,18,21,22,23)
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1727-31 gestaltet Kilian Ignaz Dietzenhofer die ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche des Augustinerklosters St. Thomas auf der Kleinseite - Kostel sv. Tomáše - barock um (Letenská ulice, Haltestelle Malostranské náměstí, Tram 12,20,22,23, Haltestelle Malostranská, Metro A, Tram 12,18,20,22,23).

Baumeister der 1735-40 errichteten Kirche St. Borromäus ist ebenfalls Kilian Ignaz Dietzenhofer, seit 1935 heißt die Kirche St. Kyrill und Method - Sv. Cyrila a Metoděje (Resslova, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

1740 erhält die Renaissance Kirche der Barmherzigen Brüder St. Simon und Juda - Kostel sv. Šimona a Judy - eine barocke Fassade. Die Ordensbrüder sind Ärzte, Pharmazeuten und Musik-Liebhaber: Auf der Orgel der Kirche spielen Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Sie können in der Kirche heute noch Musik hören: Die Orgel wurde 1993 rekonstruiert, das Prager Symphonie-Orchester nutzt den Raum als Konzertsaal (U Milosrdných, Nähe St. Agneskloster, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Haltestelle Dlouhá trída, Tram 5,8,14, Haltestelle Právnická fakulta, Tram 17).

Das heutige barocke Palais Golz-Kinsky am Altstädter Ring mit Teilen der romanischen, gotischen und Renaissance-Vorgängerbauten wird in den Jahren 1755-65 für den Grafen Golz errichtet, 1736 kauft es Frantisek Oldrich Kinský (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Aufklärung und Klassizismus

1741-42 besetzen französisch-bayerisch-sächsische Truppen unter dem Kurfürsten Karl Albert von Bayern zeitweise Prag, 1744 und 1757 sind die preussische Truppen Friedrichs des Großen in der Stadt. Die Kriege sind teuer, hohe Lasten führen wiederholt zu Bauernaufständen.

Die Bauern werden im 18. Jahrhundert zunehmend in den neuen Manufakturen benötigt und Europas Herrscher wenden sich der Aufklärung zu. Kaiserin Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II reformieren das Habsburger Reich. Ziel ist eine zentrale, effiziente Verwaltung, gleichzeitig die Einschränkung der Macht von Adel und Kirche.

Zur vollständigen Integration benennt Maria Theresia die Roma in Neubürger und Neubauern um. Joseph II gewährt Glaubensfreiheit, lässt Klöster schließen, Schulen und Krankenhäuser errichten, schafft die Leibeigenschaft ab, vereinheitlicht die Verwaltung und versucht im Habsburger Vielvölkerstaat Deutsch als Staatssprache durchzusetzen. Nach einem Erlass des Kaisers "zur Vermeidung aller Unordnungen" vergeben Beamte in teilweise erpresserischer Kreativität den Juden des Habsburger Reichs deutsche Namen. Im Rahmen der obrigkeitstaatlichen Assimilationspolitik unterstützen die Habsburger Behörden Mischehen und bringen Roma-Kinder in staatlichen Schulen und Pflegefamilien unter.

1753-75 lässt Maria Theresia von ihrem Hofarchitekten Freiherr von Pacassi die Prager Burg in klassizistischem Stil umgestalten (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216)
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1760-1781 entstehen auf dem Gelände der Altstädter Stadtmauer die Geschäftsstraßen Na Přikopě - Am Graben - und Národní - Nationalstraße. Mit Einsetzen der Industrialisierung steigt die Zahl der tschechisch-sprachigen Bürger in dem bis dahin von Habsburger Adel, Geistlichen, Beamten, Soldaten, Lieferanten und Dienstboten dominierten Prag. Die Bevölkerung wächst in 200 Jahren von 40.000 Einwohnern um 1700 auf 200.000 Einwohner um 1900.

1771 eröffnet František Ringhoffer seine erste Werkstätte in Prag
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1773 löst der Papst den Jesuitenorden auf. In Prag schließt Joseph II 70 katholische Klöster und Kirchen.

Die Räume des Jesuitenkollegs Klementinums werden von Schulen und von der Universität genutzt. Die Bibliothek mit dem eindrucksvollen barocken Lesesaal gehört heute der Staatsbibliothek. Der Mathematiker Josef Steplin gründet auf dem Gelände des Klementinums 1775 eine astronomische, meteorologische Station. Bis 1918 wird von dem astronomischen Turm aus die Mittagszeit mit einer Flagge bekannt gegeben, gefolgt von einem Kanonenschuss vom Prager Schloss. Noch heute dient das Klementinum als Wetterstation (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Das Jesuitenkonvikt St. Bartholomäus erwirbt eine Baronin Thysenbaert. Später übernehmen Franziskanerinnen Konvent und Kirche (Bartolomějská 9, Haltestelle Národní trída, Metro B, Tram 6,9,18,21,22,23)
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Ab 1783 dürfen Prager Juden sich in allen Stadtteilen niederlassen
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1784 wird die Verwaltung von Hradčany, Kleinseite, Altstadt und Neustadt zusammengelegt.

Der Aufklärung verpflichtet lässt Graf Nostitz 1781-83 in der Altstadt ein klassizistisches Theater errichten. Das Nostitz-Theater eröffnet mit Lessings Emilia Galotti
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Januar 1789 feiert Johann Amadeus Mozart große Erfolge in Prag. Er dirigiert die Uraufführung seiner 'Prager Sinfonie' und seine Oper 'Die Hochzeit des Figaro'. Bei einem zweiten Aufenthalt im Herbst bringt er die Oper Don Giovanni mit. Beide Male ist Mozart Gast auf dem ehemaligen Weingut Bertramka bei dem Komponisten František Xaver Dušek. Die Oper 'Don Giovanni' stellt Mozart in der Villa Bertramka fertig, sie wird im Nostitz-Theater, dem heutigen Ständetheater - Stavovské divadlo, uraufgeführt >> Foto Ständetheater
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Mozart kehrt noch oft nach Prag und in die Villa Bertramka zurück. Das letzte Mal hält er sich kurz vor seinem Tod 1791 hier auf. An der Aufführung seiner Oper La Clemenzia di Tito kann er nicht mehr teilnehmen.

In der Villa Bertramka befindet sich heute das Mozart-Museum, (Mozartova 169, Haltestelle Bertramka, Tram 4,7,9,10 von Haltestelle Anděl, Metro B, Tram 6,12,14,20).

Das Nostitz-Theater ist in ursprünglichem Zustand erhalten. 1799 erwirbt es die Vertretung der adligen böhmischen Stände. 1983 ist das Ständetheater - Stavovské divadlo - die Kulisse des Films Amadeus, für den der Regisseur Miloš Forman ein Jahr später 8 Oscars erhält (Ovocný trh 1, Haltestelle Můstek, Metro A,B oder náměstí Republiky, Metro B)
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1790-92 folgt Kaiser Leopold II seinem Bruder Joseph II und bemüht sich um religiösen und nationalen Ausgleich. Die französische Revolution kostet seiner Schwester Marie Antoinette 1793 den Kopf.

Ab 1796 stürzt Napoleon das europäische Herrschaftsgefüge. Das Heilige Römische Reich wird jetzt auch offiziell aufgelöst. 1815, nach dem hart erkämpften Sieg über Napoleon, versucht Kaiser Franz II mit dem Kanzler Fürst von Metternich, die monarchistischen Strukturen des Habsburger Reichs wiederherzustellen.

Prag ist von den napoleonischen Kriegen nicht betroffen, der berühmte Sieg Napoleons 1805 in der Dreikaiserschlacht in Austerlitz bei Brünn - Slavkov u Brna - findet in 210 km Entfernung statt.

Die französische Revolution ist der Beginn der Idee souveräner Nationalstaaten. Bürgerliche politische Bewegungen bemühen sich im 19. Jahrhundert um Identität auf Grundlage historischer, sprachlicher und kultureller Verbundenheit. Für den Vielvölkerstaat des Habsburger Reichs erweist sich der Nationalismus als explosiv.

Nationalbewegung und Industrialisierung, Romantik und Historismus

Die tschechische Nationalbewegung beeinflusst Geschichtsschreibung, Literatur, Kunst und Musik. Der Komponist Antonín Dvořák verwendet Elemente der Volksmusik, der Schriftsteller Alois Jirásek schreibt alte böhmische Sagen auf: Die mythenhafte Entstehung des Přemysl-Geschlechts durch die Heirat der Königstochter Libuše mit einem Bauern, das Schwert Bruncviks und die im Berg von Blaník verborgenen Ritter, die der tschechischen Nation in Not beistehen werden. Bedřich Smetana verfasst die Oper "Libussa". Mikolas Ales malt auf Häuserwände Historienbilder.

Ab 1817 sammelt das neu gegründete tschechische Landesmuseum Gegenstände und Schriftstücke zur tschechischen Geschichte. Johann Wolfgang von Goethe spendet in Westböhmen gesammelte Mineralien. Im gleichen Jahr taucht die Könighofer Handschrift eines mittelalterlichen Heldenepos auf, ein Jahr später die Grünberger Handschrift mit einem Text über die sagenhafte Fürstin Libuše. Beide Handschriften stellen sich Ende des 19. Jahrhunderts als Fälschungen heraus. 1836 verfasst der Historiker František Palacký auf der Grundlage der Könighofer Handschrift eine "Geschichte der böhmischen Länder".

Mit der Industrialisierung reicht die Stadtplanung des 14. Jahrhunderts nicht mehr aus. 1817 beginnt die Anlage der ersten Prager Vorstadt: Karlín - Karolinenthal - wird benannt nach Kaiserin Karoline. Von 1840 -70 entstehen fünf neue Brücken über die Moldau, an der Grenze zwischen Neustadt und Karlín wird 1843-45 der erste Bahnhof gebaut für die Strecken nach Brünn - Brno, Wien, Olmütz - Olomouc, Děčin und Dresden (Masaryk Bahnhof - Masarykovo nádraží, Tram 3,5,14,24,26).

1834 wird im Ständetheater - Stavovské divadlo - die spätere tschechische Nationalhymne des Komponisten Tyl uraufgeführt (Ovocný trh 1, Haltestelle Můstek, Metro A,B oder náměstí Republiky, Metro B)
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1834-1839 veröffentlicht der Linguist Josef Jungmann das erste ausführliche tschechisch-deutsche Lexikon.

Die Burg der sagenhaften Libuše wird zum nationalen Symbol: Auf Burg Vyšehrad entsteht ein Ehrenfriedhof für tschechische Künstler und Wissenschaftler. Sie finden hier das Grab des 1836 verstorbenen romantischen Dichters Karel Hynek Mácha, der 1862 kurz nach der Veröffentlichung ihres Romans "Großmutter" verstorbenen Schriftstellerin Božena Němcová, des 1891 verstorbenen Autors der "Kleinseiter Geschichten" Jan Neruda, des 1884 verstorbenen Komponisten Bedřich Smetana, des 1904 verstorbenen Komponisten Antonín Dvořák, des 1913 verstorbenen Historienmalers Mikolas Ales, des 1938 verstorbenen Schriftstellers Karel Čapek und des 1939 verstorbenen Jugendstilmalers Alfons Mucha (Haltestelle Vyšehrad, Metro C vom Hauptbahnhof - Hlavní nádraží - oder Busbahnhof Florenc aus oder Haltestelle Albertov, Tram 7,8,24, Haltestelle Výtoň, Tram 3,7,17,16).

1838 wird der Vorort Smíchov gegründet.

1847 entsteht in Karlín das Gaswerk

1848 ist ganz Europa in Aufruhr: Die Bürger sind durch die Industrialisierung wirtschaftlich erstarkt und fordern politische Mitbestimmung. Der Habsburger Kaiser Ferdinand I dankt zugunsten seines Neffen Franz Joseph I ab, der Kanzler Metternich muss gehen.

In Frankfurt will die Nationalversammlung eine einheitliche deutsche Verfassung schaffen und bezieht Österreich mit ein. In Wien revoltieren Arbeiter und Studenten und verlangen die Absetzung des Fürsten Metternich. Die Ungarn fordern Autonomie.

In Prag treffen sich Tschechen, Slowaken, Polen, Ukrainer, Serben, Slowenen und der russische Anarchist Michail Bakunin zu dem 1. panslawischen Kongress. Der tschechische Delegierte Frantisek Palacký lehnt die Einladung zur Frankfurter Nationalversammlung ab: Der national-tschechische, austro-slawische Politiker und Historiker ist gegen eine Vereinigung des Habsburger Reichs mit Deutschland.

Es kommt zum Bruch zwischen den deutschen und tschechischen Revolutionären: Die Deutschen nehmen an der Frankfurter Nationalversammlung teil, die Tschechen fordern auf der österreichischen Reichsversammlung Autonomie. Nach der Pfingstmesse auf dem Wenzelsplatz gehen die Prager Revolutionäre eine Woche lang auf die Barrikaden. Eine verirrte Kugel tötet die Frau des österreichischen Kommandanten Fürst Windischgrätz.

Der Habsburger Kaiser Ferdinand dankt zugunsten seines Neffen Franz Joseph I ab. Fürst Metternich muss gehen. Der Minister Felix Fürst zu Schwarzenberg siegt 1849 über die Revolution. Die Wiener Regierung schafft es in der Folge nicht, eine Lösung der Nationalitätenfrage zu finden. Konflikte entzünden sich insbesondere an der Amtssprache und der damit verbundenen Besetzung staatlicher Stellen.

1849 erhalten die jüdischen Untertanen des Habsburger Reichs Niederlassungsfreiheit, 1850 wird das ehemalige jüdische Ghetto nach dem Kaiser in Josefov umbenannt und eingemeindet. Wohlhabendere Juden verlassen das Viertel, arme Christen ziehen zu. 1857 beträgt der Anteil der Juden in Josefov 72,19 Prozent, 1890 sind es 21,57 Prozent
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1852 eröffnet der Enkel František Ringhoffers eine Waggon- und Lokomotivfabrik in Prag-Smíchov
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Der Anteil der tschechisch-sprachigen Bewohner Prags steigt weiter: 1861 verlieren die deutschsprachigen Delegierten im Stadtrat die Mehrheit. Innerhalb von 100 Jahren hat die Industrialisierung die einst von Habsburger Adel, Geistlichen, Beamten, Soldaten, Lieferanten und Dienstboten geprägte Stadt nachhaltig verändert. Die Einwohnerzahl ist von 40 000 Einwohnern Ende des 17. Jahrhunderts auf über 100.000 gewachsen.

Die Karlsbrücke - Karlův most - erhält weitere Figuren: 1854 einen heiligen Josef, 1855 eine Statue des heiligen Franz, 1857 einen heiligen Christoph, 1858 einen weiteren heiligen Wenzel, 1859 eine Pietà ...(Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207)
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1866 besetzen preussische Truppen Prag, auf der Burg schließt Fürst Bismarck mit Kaiser Franz Joseph Frieden. Das unterlegene Habsburger Reich erklärt sich 1867 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, Tschechen und Slowaken sind bei dieser Namensgebung nicht berücksichtigt.

In den Prager Stadtvierteln Troja und Vinohrady wird seit dem Mittelalter Wein angebaut, doch das tschechische Nationalgetränk ist Bier: 1871 eröffnet in Smíchov die Staropramen Brauerei (von Haltestelle Anděl, Metro B, zu Haltestelle Na Knížeci, Tram 6,12). Staropramen erhalten Sie in Prager Kneipen noch immer, die Smíchover Brauerei bietet Besichtigungen an.

1872-74 entsteht die Tschechische Technische Hochschule am Karlsplatz (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

1874 wird die Prager Festung endgültig aufgelöst, Stadtmauern, Tore und Bastionen werden abgerissen.

1874 formiert sich in Neudörfl an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn die - zu diesem Zeitpunkt illegale - Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs, zehn tschechische Delegierte nehmen teil. 1878 gründen die Gäste einer Kneipe in Břevnov bei Prag die illegale tschechische sozialdemokratische Partei. Der Vorsitzende der österreichischen Sozialdemokraten ist dabei. In der Folge ist die offizielle Parteiführung austromarxistisch, doch gibt es einen nationalen Flügel.

1875 wird der Vorort Žižkov gegründet - benannt nach dem hussitischen Heerführer Jan Žižka, der hier am Vítkov Hügel 1420 Prag erfolgreich gegen das Kreuzfahrerheer Kaiser Sigismunds verteidigte (Stadtteil Žižkov, Haltestelle Florenc, Metro B,C)
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1876-84 entsteht das Konzert- und Ausstellungsgebäude Rudolfinum (Alšovo nábřeží 12 am jüdischen Viertel Josefov bei der Manes Brücke - Mánesův most - Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

1883 wird das tschechische Nationaltheater mit der Oper 'Libussa' von Bedřich Smetana eingeweiht. Die Bilder im Nationaltheater - Národní divadlo - stammen von Mikolas Ales (Haltestelle Národní divadlo, Tram 6,9,17,18,21,22,23 ab Haltestelle Národní třída, Metro B).

Ebenfalls 1881 tritt der katholisch deutsch-nationale Alban Schachleiter in das Prager Emmaus-Kloster - Klášter Emauzy - ein (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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1882 teilt sich die Prager Karls-Universität in eine tschechisch- und deutschsprachige Universität.

1883 wird Vyšehrad, 1884 wird Holešovice eingemeindet.

Ab 1885 wird für das 1817 entstandene Nationalmuseum - Národní Muzeum - am Wenzelsplatz ein Neo-Renaissance Gebäude gebaut, 1890 ist das Gebäude fertig (Haltestelle Muzeum, Metro A,C, Tram 11, Haltestelle Václavské náměstí, Tram 3,9,14,24).

1885-87 wird auf Burg Vyšehrad die Kirche St. Peter und Paul in neogotischem Stil erneuert (Haltestelle Vyšehrad, Metro C vom Hauptbahnhof - Hlavní nádraží - oder Busbahnhof Florenc aus).

1886 entlarven drei Dozenten der tschechischen Universität das böhmische Heldenepos der Könighofer und Grünberger Handschriften als Fälschung, einer der Dozenten ist der mit der Amerikanerin Charlotte Garrigue verheiratete national-liberale Professor Tomáš Masaryk.

1888 eröffnet das Neue Deutsche Theater mit Richard Wagners Meistersingern von Nürnberg. Heute finden Sie in dem Gebäude die Staatsoper - Státní Opera oder Smetanovo divadlo (Wilsonova 4, zwischen Hauptbahnhof und Nationalmuseum, Haltestelle Muzeum, Haltestelle Hlavní Nádrazí, Metro C).

1890 zählt Meyers Konversationslexikon in Prag bei 182.530 Einwohnern der Religion nach 88,4 Prozent Katholiken, 1,8 Prozent Protestanten und 9,7 Prozent Juden, der Umgangssprache nach 83,5 Prozent Tschechen und 16,4 Prozent Deutsche, 44,49 Prozent der Berufstätigen rechnen sich zur Industrie, 25,57 Prozent zu Handel und Verkehr, 28,77 Prozent zum Öffentlichen Dienst und 1,17 Prozent zur Landwirtschaft.

Viele Europäer versuchen in der Neuen Welt ihr Glück: Aus Böhmen wandern zwischen 1890 und 1910 circa 125.000 Einwohner in die USA aus.

Die Prager Künstler und Architekten orientieren sich an Paris. Bei der Sanierung der Prager Altstadt wird ein großer Teil des ehemaligen jüdischen Ghettos abgerissen, die Straßen verbreitert, der Boulevard Pařížská (Pariser Straße) entsteht.

1896-98 wird das Museum der Stadt Prag in Karlín errichtet. Das 1826 - 1837 entstandenen Langweil'sche Modell zeigt hier, wie Prag vor der Sanierung des jüdischen Ghettos aussah (Na Poříčí 52, Haltestelle Florenc, Metro B,C).

Jugendstil und kubistische Architektur

1897 stellt Alfons Mucha zum ersten Mal seine Bilder aus. Art Déco prägt das Prag der Jahrhundertwende. Besonders schöne Beispiele für Jugendstilgebäude sind am Wenzelsplatz - Václavské náměstí - das 1901 gebaute Peterkov Dům an der Nummer 12 und an der Nummer 25 das 1903-1906 entstandene Hotel Evropa >> Foto Hotel Evropa , an der Štepánská das in zwei Etappen zwischen 1907 und 1921 entstandene Vergnügungszentrum Lucerna Passage von Václav Havel, dem Großvater des gleichnamigen Präsidenten der samtenen Revolution >> Foto Lucerna Passage (Haltestelle Muzeum, Metro A,C, Haltestelle Můstek, Metro A,B, Tram 3,9,14,24), der 1901 - 1909 errichtete Hauptbahnhof - Hlavní nádraží - von Josef Fanta (Metro C, Tram 5,9,26), die ab 1905 errichteten Gebäude des Hotel Paříž und des Obecní dům >> Foto Obecní dům (Haltestelle náměstí Republiky, Metro B, Tram 5,8,12,14,25,26) an der Stelle des ehemaligen Königshofs, sowie das Neue Rathaus - Nová radnice aus den Jahren 1908-12, bis heute Sitz der Stadtverwaltung (Mariánské náměstí, Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring - , Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Zwischen 1911 und 1918 entwickelt sich die einzigartige tschechische kubistische Architektur: In der Prager Innenstadt können Sie als Beispiel das 1911-1912 von Josef Gocár entworfene Kaufhaus "Zur schwarzen Madonna" in der Altstadt besichtigen >> Foto Kaufhaus "Zur schwarzen Madonna" - Kubismus-Museum (Ecke Celetná 34, Ovocný trh 19, zwischen Staromêstská- Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207 und náměstí Republiky, Metro B oder Haltestelle Můstek, Metro A,B, Tram 3,9,14,24), das Geschäftshaus Diamant von Emil Králíček (Ecke Spálená - Lazarská hinter dem Neustädter Rathaus - Novoměstsk&eacutá radnice - Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3), sowie die Straßenlaterne aus dem Jahr 1913 von Emil Králíček und Matej Blecha vor der Maria Schnee Kirche (Jungmannovo náměstí, Haltestelle Můstek; Metro A,B) und das Doppelwohnhaus von Josef Gočár in der Tychonova 4-6 der Burg-Vorstadt (Haltestelle Pražský Hrad: Tram 22, Haltestelle Hradčanská: Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216). In Vyšehrad finden Sie in der Libušina 3 die Vila Kovarovic, an der Neklanova 30 ein Mietshaus und am Rašin-Kai 6-10 - Rašínovo nábřeží - ein Dreifamilienhaus des Architekten Josef Chochol (Haltestelle Vyšehrad, Metro C vom Hauptbahnhof - Hlavní nádraží - oder Busbahnhof Florenc aus).

1898 kommen die ersten tschechischen Filme zur Aufführung.

1899 entsteht in Braník die gleichnamige Brauerei. Braník können Sie noch immer in Prager Kneipen bestellen, die Marke gehört der Smíchover Staropramen Brauerei (von Haltestelle Anděl, Metro B, zu Haltestelle Na Knížeci, Tram 6,12, die Brauerei bietet Besichtigungen an).

1899 legt sich Thomáš Garrigue Masaryk mit antisemitischen Vorurteilen an: Er erreicht die Wiederaufnahme des politisch instrumentalisierten Verfahrens gegen den wegen Ritualmord verurteilten jüdischen Tagelöhner Leopold Hilsner. Leopold Hilsner wird im zweiten Prozess erneut verurteilt, der Fall hat im Ausland jedoch so viel Aufsehen erregt, dass Kaiser Franz Josef ihn zu lebenslanger Haft begnadigt. 1918 wird Leopold Hilsner aus dem Gefängnis entlassen. Er ist bis heute nicht rehabilitiert.

1908 wird der politisch aktive katholisch deutsch-nationale Alban Schachleiter Abt des Prager Emmaus-Klosters - Klášter Emauzy (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Anfang des 20. Jahrhunderts entsteht in Prag deutschsprachige Literatur auf hohem Niveau: In den Cafehäusern treffen sich Schriftsteller wie Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Max Brod und Franz Werfel.

Eher in den Kneipen als in den Cafehäusern verkehrt der satirische Schriftsteller Jaroslav Hašek.

Spitze in seinem Fach ist auch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch. Er konstatiert um 1914 eine völlige Trennung des deutsch- und tschechisch-sprachigen kulturellen Lebens: Tschechen und Deutsche haben getrennte Aufenthaltsorte, Klubs, Kirchen, Theater, Zeitungen, Schulen, Universitäten "..für den botanischen Garten der einen Universität wurde vom Südsee-Archipel eine Pflanze bestellt, die man im Botanischen Garten der anderen Universität hätte blühen sehen können, wenn dies nicht eine Mauer verhindert hätte".

Erster Weltkrieg und tschechoslowakische Republik, Funktionalismus

Mit dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo beginnt 1914 der erste Weltkrieg und das Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Der national-liberale tschechische Professor und Politiker Thomáš Garrigue Masaryk geht ins Exil nach England und in die USA. Zusammen mit dem jungen Juradozenten Edvard Beneš und dem in Frankreich 1912 eingebürgerten slowakischen Astronomen und Meteorologen Milan Rastislav Štefánik wirbt er bei den Aliierten für einen selbständigen tschechisch-slowakischen Staat. Ihre Forderungen untermauern auf Seite der russischen, französischen und italienischen Armee kämpfende tschechische Legionärsverbände.

Jaroslav Hašek und Egon Erwin Kisch werden von der österreichisch-ungarischen Armee einzogen. Im Verlauf des Kriegs wechselt Jaroslav Hašek zur russischen und Roten Armee.

1918 schließen mit Zustimmung der Alliierten tschechische und slowakische Exilpolitiker im amerikanischen Pittsburg einen gemeinsamen Staatsvertrag. 1919 ziehen die Versailler Verträge unter strategischen und wirtschaflichen Gesichtspunkten Grenzen. In dem neuen tschechoslowakischen Staat leben 1920 - der Sprache nach - 6,8 Millionen Tschechen, 1,9 Millionen Slowaken, 3,1 Millionen Deutsche, 750.000 Ungarn, 460.000 Ruthenen und 75.000 Polen. Milan Rastislav Štefánik stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Thomáš Garrigue Masaryk wird Präsident der ersten tschechoslowakischen Republik, Edvard Beneš Außenminister.

Die einheitlich nationalstaatliche Konzeption löst nicht den Nationalitäten-Konflikt. Bis hin zu den Sozialdemokraten organisieren die Parteien Mitglieder und Programm entsprechend der Sprachen. Einzige Ausnahme ist die 1921 gegründete übernationale Kommunistische Partei.

Sitz der Prager Regierung ist zunächst das Rudolfinum. An der Moldau entstehen neue Regierungsgebäude zwischen Emmauskloster - Klášter Emauzy - und Palacky-Brücke - Palackého most, an der Stefanik-Brücke - Štefánikův most und Hlávka-Brücke - Hlávkův most.

Die Regierung des Präsidenten Masaryk zieht auf die Burg. In den 1920er Jahren renoviert dort der Architekt Josef Plačnik.

Der deutsch-nationale Abt des Emmaus-Klosters - Klášter Emauzy - Alban Schachleiter hat sich zu sehr exponiert. Er muss mit einem großen Teil der deutschen Mönche die Tschechoslowakei verlassen. In München macht er die Bekanntschaft Adolf Hitlers, 1933 tritt er in die Nationalsozialistische Partei ein (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Zurück in Prag gelingt Jaroslav Hašek mit dem 'Braven Soldat Schweik' ein Klassiker der Weltliteratur. Berühmt mit dem Šwejk werden die Illustrationen Josef Ladas.

Egon Erwin Kisch veröffentlicht das Kriegstagebuch 'Schreib das auf, Kisch'. Jaroslav Seifert veröffentlicht seine ersten Gedichte.

Mit international erfolgreich Theaterstücken prägen Josef und Karel Čapek das Prager Kulturleben der 1920er und 1930er Jahre. Als Roboter in die Sprache eingegangen sind die automatisierten Arbeiter ihres Stücks 'RUR - Rossum's Universal Robots'.

Der Besitz der Fürsten Liechtenstein verkleinert sich durch die Bodenreform der tschechoslowakischen Republik auf 660 qkm. Sie gehören damit zu den größten Grundbesitzern der Tschechoslowakei.

Der junge Fürst Maximilian Lobkovic stellt sich auf die Seite der neuen tschechoslowakischen Republik.

In Prag-Smíchow wird die Firma Ringhoffer Aktiengesellschaft. 1923 erwirbt sie die Mehrheit der Tatra-Werke
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Um 1930 hat Prag über 800 000 Einwohner. Die Wirtschaft boomt: Sie können noch heute viele der in dieser Zeit in Prag entstandenen Geschäfts- und Wohnhäuser sehen.

Beispiele für den vom Bauhaus geprägten Funktionalismus der 1920er Jahre finden Sie am Wenzelsplatz - Václavské náměstí - an der Nummer 4 mit dem Astra bzw. Lindthaus, dem Haus des Buches - Dům Knihy >> Foto Dům Knihy - und an der Nummer 6 mit dem Schuhhaus Bat'a, beide von Ludvik Kysela, an der Nummer 22 mit dem 1927 - 1930 entstandenen konstruktivistischen Hotel Juliš von Pavel Janak (Haltestelle Muzeum, Metro A,C, Haltestelle Můstek, Metro A,B, Tram 3,9,14,24), mit dem 1924-28 errichteten Messepalast - Veletržní palác - in Holešovice von Oldrich Tyl und Josef Fuchs, in dem Sie heute moderne tschechische Kunst und Bilder des 19.,20. und 21. Jahrhunderts der Nationalgalerie besichtigen können (Nádraží Holešovice, Metro C, Tram 17, 5,12,15).

Renoviert und für Gruppen bei Voranmeldung zugänglich ist in Střešovice die 1930 von Adolf Loohs und Karel Lhota entworfende Villa Müller (Nad Hradnim vodojemem 14, von Haltestelle Hradčanská, Metro A, zu Haltestelle Ořechovka, Tram 1,18).

In der 1928-1933 errichteten Werkbundsiedlung Baba nördlich von Dejvice können Sie Beispiele der Kunst von 15 Prager Architekten sehen (Haltestelle U Mateje, Bus 131 ab Haltestelle Hradcanská, Metro A, Tram 1,8,15,20,22,25,26,38, Bus 108,131,174,216).

Seit 1925 pflegt Arnost Vykoukal als Abt die slawische Tradition des Emmaus-Klosters - Klášter Emauzy - (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Ende der 1920er Jahre planen die Söhne des Erbauers des Vergnügungszentrum Lucerna, der Bauunternehmer Václav Havel und der Filmproduzent Miloš Havel, auf einem Felsen 5 km südlich von Prag ein tschechisches Hollywood. 1931 eröffnen die Barrandov Filmstudios (Tram 12,13,14,20)
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1928 beginnt der Bau eines Pantheons auf dem Vítkov Hügel in Žižkov. An der Stelle des Siegs der Hussiten über das Kreuzfahrerheer des Kaisers Sigismund soll den Legionären gedacht werden, die im ersten Weltkrieg auf Seiten der russischen, französischen und italienischen Armee gekämpft haben (Stadtteil Žižkov, Haltestelle U Památníku, Bus 133,207 von Haltestelle Florenc, Metro B,C)
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Zweiter Weltkrieg

In der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre entfaltet der Nationalitätenkonflikt die volle Sprengkraft. Liberale, Sozialdemokraten, Kommunisten und Bauern-Parteien können den Wechsel deutscher und slowakischer Wähler zu nationalistischen Gruppierungen nicht aufhalten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland werden die Autonomie-Bestrebungen im überwiegend deutsch besiedelten Sudetenland und in der Slowakei zur faschistischen Option.

Der Konstrukteur und Designer der Ringhoffer-Tatra Werke Hans Ledwinka baut 1932 die ersten T77-Prototypen eines stromlinienförmigen Personenwagens. Ferdinand Porsche soll sich hier Ideen für den Volkswagen geholt haben. Fakt ist: Der Käfer sieht aus wie ein Tatra 97
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Prag wird ab 1933 zum Ort des deutschen Exils: Künstler, Schauspieler, Schriftsteller - darunter Thomas Mann - halten sich hier auf, der Parteivorstand der Sozialdemokraten, ein Teil des Politbüros der deutschen Kommunisten, jüdische Flüchtlinge und viele mehr.

Josef Lada verdanken Kinder die 1934-36 entstandenen Geschichten vom sprechenden Kater Mikesch - Kočour Mikeš.

Seit 1938 beteiligen sich die Statuen von St. Cyrill und Method am Schutz der Moldau. Sie sind die vorerst jüngsten Brückenheiligen der Karlsbrücke - Karlův most (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Nach dem Anschluss Österreichs besetzen 1938 Hitlers Truppen das Sudetenland - noch geduldet von den an einem Krieg nicht interessierten Regierungen Frankreichs und Englands. In der Slowakei nutzen Politiker die Gelegenheit zur Autonomie. 1939 installiert Hitler eine faschistisch-klerikale Regierung in der Slowakei, deutsche Truppen marschieren in die Rest-Tschechoslowakei ein, der Zweite Weltkrieg beginnt endgültig mit dem deutschen Angriff auf Polen.

Edvard Beneš verlegt die Regierung nach London. Bis Ende 1944 ist sich die Exil-Regierung mit den Allierten über die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Sowjet-Armee, die Westgrenze von vor 1938 und die Aussiedlung der Sudetendeutschen einig.

Fürst Franz Josef II von Liechtenstein emigriert 1938 in das Fürstentum von Vaduz. Maximilian Lobkovic flieht 1939 bei Einmarsch der deutschen Truppen und dient als Botschafter der tschechoslowakischen Exilregierung. Der 19jährige Vilém Flusser gelangt über London nach São Paulo.

Die Nationalsozialisten verwenden die Ringhoffer-Tatra Werke in Prag-Smíchov für die Produktion von Armee-Fahrzeugen
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Die Gebäude Prags überstehen den Zweiten Weltkrieg zum überwiegenden Teil unbeschadet, die Prager Bürger zahlen einen hohen Preis.

Die deutschen Besatzer unterdrücken den tschechischen Widerstand mit Massenhinrichtungen. Von der Londoner Exilregierung beauftragte tschechische Fallschirmjäger verüben ein Attentat auf den Gestapo-Chef Reinhard Heydrich. Nach dem Attentat fliehen sie in die Kirche St. Cyrill und Method. Aus Rache verüben die deutschen Besatzer 20 km von Prag entfernt an den Bewohnern des Dorfs Lidice ein Massaker.

Sie finden in der Kirche St. Cyrill und Method - Kostel sv Cyrila a Metoděje in der Resslova 9 eine Ausstellung zu dem Attentat (Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3, Busse zu der Gedächtnis-Stätte in Lidice fahren ab Metro-Station Dejvická, Metro A, Tram 2,20,26, Bus 107,119,147,161,217,218,312,316,340,350).

1941 beginnt die Deportation der Prager Juden in den Tod von Theresienstadt - Terezín. Die zuständige Zentralstelle der SS und die jüdische Kultusgemeinde sammeln und katalogisieren die Kultgegenstände aus den deportierten böhmischen und mährischen jüdischen Gemeinden in den Prager Synagogen.

Die Alt-Neu-Synagoge, die Maisel-, Pinkas- und Klaus-Synagoge, das jüdische Rathaus und der alte jüdische Friedhof von Josefov sind erhalten. Sie finden hier die weltweit größte Sammlung jüdischer Kultgegenstände (Haltestelle Staromêstská - Altstädter Ring, Metro A, Tram 18,17, Bus 207).

Terezín ist eine Ende des 18. Jahrhunderts errichete Festung bei Litoměŕice am Zufluss der Eger- Ohŕe - zur Elbe - Labe. Von Prag aus fahren Sie zu dem ca. 60 km nördlich gelegenen Terezín mit dem Zug vom Prager Masaryk Bahnhof - Masarykovo nádraží (Tram 3, 5, 14, 24, 26) bis Bohušovice nad Ohŕi. Von hier aus sind es 3 km zur Gedenkstätte. Mit dem Bus fahren Sie von dem zentralen Busbahnhof Florenc (Krizikova 4-6, Metro B,C) bis Terezín Malá Pevnost.

1941 beschlagnahmen die Nationalsozialisten das Emmaus-Kloster - Klášter Emauzy - und deportieren die Mönche und den Abt Arnost Vykoukal in das Konzentrationslager Dachau. In das Kloster ziehen das Deutsche Rote Kreuz und Werkstätten für die Kriegsproduktion (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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In den Barrandov Filmstudios lassen die Nationalsozialisten Propagandafilme drehen (Tram 12,13,14,20)
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1945 befreien Sowjet- und US-Armee die Tschechoslowakei von den Nationalsozialisten. Die Londoner Exil-Regierung des Präsidenten Edvard Beneš verlautbart am 4. April 1945 in Košice - Kaschau - das Nachkriegsprogramm: Bildung einer Nationalen Front der sozialistischen und liberalen Parteien mit der kommunistischen Partei unter Ausschluss rechts-konservativer Gruppen, eine Bodenreform, Verstaatlichung von Industrie und Banken, Enteignung von Kriegsverbrechern und Kollaborateuren, Aussiedlung und Enteignung der tschechoslowakischen deutschen und ungarischen Bevölkerung.

Bei Anrücken der Alliierten erhebt sich die Prager Bevölkerung, die deutschen Besatzer verlassen am 8. Mai die Stadt, die Sowjet-Armee zieht einen Tag später ein. Den Abzug der deutschen Truppen begleiten die Flucht und gewaltsame Vertreibung der tschechoslowakischen deutschen Bevölkerung.

Das Emmaus-Kloster - Klášter Emauzy - hat bei einem US-Luftangriff 1945 schwere Schäden davongetragen. Die Emmaus-Mönche kehren bei Kriegsende zurück und beginnen das Kloster wieder aufzubauen Foto Emmaus-Kloster (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Das Potsdamer Abkommen der Allierten vom 17. Juli 1945 bestätigt die Ausweisung der deutschen Bevölkerung, jedoch nicht die der Ungarn.

Die Ringhoffer-Tatra-Werke in Prag-Smíchov werden verstaatlicht. Der Industrielle Hans von Ringhoffer und der Konstrukteur Hans Ledwinka sind der Kollaboration beschuldigt verhaftet, die Familie Ringhoffer als Deutsche ausgewiesen
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Nationale Front und Stalinismus

Der im Widerstand aktive Professor Josef Skupa kann sich noch rechtzeitig aus dem brennenden Dresdner Gefängnis befreien. Er verlegt sein 1930 in Pilsen eröffnetes Marionetten-Theater 'Spejbl & Hurvínek' nach Prag.

Jiří Trnka in Prag, Karel Zeman und Hermína Týrlová in Zlín, begründen den legendären Ruf des tschechoslowakischen Animationsfilms.

Mit der Exil-Regierung kehrt Maximilian Lobkovic nach Prag zurück.

Bei den Wahlen 1946 ist die Kommunistische Partei mit 38% der Stimmen die stärkste Partei im Parlament. Der Kommunist Klement Gottwald wird Premierminister, Edvard Beneš bleibt Präsident.

Die Prager Regierungsparteien vertreten unvereinbare Positionen: Vertreter einer parlamentarischen Demokratie stehen Kommunisten gegenüber, Befürworter einer tschechisch-slowakischen Föderation Verfechtern eines Einheitsstaats. Februar 1948 treten die nichtkommunistischen Minister unter Protest zurück mit Ausnahme des Außenministers Jan Masaryk. Unter dem Druck von drohendem Bürgerkrieg und sowjetischem Botschafter duldet Präsident Edvard Beneš die Machtübernahme der Kommunisten. Jan Masaryk stürzt im Schlafanzug aus dem Fenster seiner Wohnung in den Hof des Černín Palais - ob Mord oder Selbstmord ist nicht geklärt. Im Juni 1948 weigert sich der todkranke Edvard Beneš, die neue kommunistische Verfassung zu unterzeichnen und wird zum Rücktritt gezwungen. Klement Gottwald wird Staatspräsident.

Maximilian Lobkovic emigriert in die USA.

1949 vertreibt Geheimpolizei die Franziskanerinnen aus dem ehemaligen Jesuitenkolleg St. Bartholomäus. Klosterzellen werden zu Gefängnis- Verhör- und Folterzellen (Bartolomějská 9, Haltestelle Národní trída, Metro B, Tram 6,9,18,21,22,23)
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Klement Gottwald errichtet ein von Moskau abhängiges stalinistisches Regime. Die innerparteiliche Opposition bringt er mit Schauprozessen und Hinrichtungen zum Schweigen. 1953 stirbt Klement Gottwald kurz nach der Teilnahme an dem Begräbnis Stalins.

Das nach dem böhmischen Adel benannte Ständetheater - Stavovské divadlo, Uraufführungsort der tschechischen Nationalhymne, wird nach ihrem Autor in Tyl-Theater umbenannt (Ovocný trh 1, Haltestelle Můstek, Metro A,B oder náměstí Republiky, Metro B)
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Um 1950 beginnt der Bau der Plattenbau-Siedlungen - paneláky sídliště - am Stadtrand von Prag wie Řepy und Jizní Město.

In Žižkov entsteht auf dem Vítkov Hügel für den hussitischen Heerführer Jan Žižka die größte Reiterstatue der Welt. Aus dem Pantheon für tschechoslowakische Legionäre wird ein Mausoleum der Präsidenten beginnend mit Klement Gottwald (Stadtteil Žižkov, Haltestelle U Památníku, Bus 133,207 von Haltestelle Florenc, Metro B,C).

Die Kommunisten unterdrücken das Ordensleben. Einige Mönche des Emmaus-Klosters können mit ihrem Abt nach Italien fliehen. In dem Emmaus Kloster - Klášter Emauzy - wird die Akademie der Wissenschaften untergebracht (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Seit 2001 können Sie sich bei Ihrem Einkauf in Ladengalerien und Kaufhäusern einen Eindruck von der Atmosphäre und dem Leben in der kommunistischen Zeit verschaffen. Glenn Spicker, amerikanischer Politikwissenschaftler und Betreiber Prager Bagel-Bars und Clubs stellt Alltagsgegenstände aus, Bilder und Devotionalien, zusammengetragen in Antiquariaten und auf Flohmärkten. Ziel seines Museum des Kommunismus ist eine umfassende geschichtliche Darstellung (Na Přikopě 10, "über Mc Donalds und gegenüber von Benetton", Haltestelle Můstek, Metro A,B, Tram 3,9,14,24).

1958 zeigt die Prager Laterna Magika ihre audiovisuelle Technik zum ersten Mal auf der Weltausstellung in Brüssel (Nationaltheater - Haltestelle Národní divadlo, Tram 6,9,17,18,21,22,23 ab Haltestelle Národní třída, Metro B).

In den 1960er Jahren finden die Filme der Prager "Neuen Welle" internationale Anerkennung. In den Barrandov Filmstudios drehen Regisseure wie Miloš Forman, Jiří Menzel, Vojtěch Jasný, Vera Chytilová, Jan Němec, Ivan Passer, Elmar Klos und Jan Kadár (Barrandov, Tram 12,13,14,20). Die Fernsehgrenzen überschreitet die Kinderserie Pan Tau
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Prag zählt in den 1960er Jahren zum ersten Mal über eine Million Einwohner.

1966 beginnt der Bau der Prager Metro, das erste Teilstück wird 1977 eingeweiht.

Seit 1967 ersetzen unübersehbar zwei moderne spitze Türme die 1945 zerstörten barocken Türme des Emmaus-Klosters - Klášter Emauzy (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3)
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Mai 68 und Charta 77

1968 scheitern die Prager Reform-Kommunisten um Alexander Dubček am Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts. Jan Palach verbrennt sich demonstrativ auf dem Wenzelsplatz. In der Folge emigrieren viele Bürger der Tschechoslowakei darunter international bekannte Künstler und Schriftsteller wie Miloš Forman und Milan Kundera. Andere bleiben, so die Schriftsteller Bohumil Hrabal und Václav Havel, oder kehren zurück wie der Schriftsteller Ivan Klíma.

An Jan Palach erinnert vor der Wenzels-Statue eine kleine Gedenkstätte.

1977 setzen nach der Verhaftung der Rockgruppe Plastic People of the Universe demonstrativ Tausende Tschechoslowaken ihre Unterschrift unter die Forderungen der Menschenrechtskonferenz von Helsinki, Mitinitiator der 'Charta 77' ist der Schriftsteller Václav Havel.

Aus dem Jahr 1980 stammt der gläserne Anbau des Nationaltheaters - Národní divadlo - des Architekten Karel Prager (Haltestelle Nationaltheater - Národní divadlo, Tram 6,9,17,18,21,22,23 ab Haltestelle Národní třída, Metro B).

1981 eröffnet nahe der Straße zum Flughafen das Hotel Praha für offizielle Gäste (Sušická 20, Haltestelle Dejvická, Metro A, Ausgang Evropska, Haltestelle Hadovka, Tram 2,20,26).

Hollywood entdeckt Barrandov: 1983 nutzt Miloš Forman die Filmstudios für 'Amadeus'. Bis heute sind die historischen Gebäude Prags und die Barrandov Filmstudios gut gebuchte Drehorte internationaler Filme, auch wenn die Stadt im Film dann oft anders heißt (Tram 12,13,14,20).

1984 erhält der Prager Dichter Jaroslav Seifert den Nobelpreis.

1985 beginnt der Bau des Fernsehturms in Žižkov. Von dem Turm aus können Sie Prag aus 100 Meter Höhe in Vogelperspektive besichtigen (Haltestelle Jiřího z Poděbrad, Metro A, Tram 11, Olšanské náměstí, Tram 9).

Samtene Revolution

1989 ermöglicht Michail Gorbatschov die Wende, Demonstrationen und ein Generalstreik setzen in Prag die Regierung Gustav Husaks ab. Der erste Präsident der neuen Demokratie wird Václav Havel.

Die Benediktiner-Mönche erhalten das Emmaus-Kloster - Klášter Emauzy - zurück (Vyšehradska trída 49, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

1990 nehmen die Franziskanerinnen ihr von der Geheimpolizei verwendetes Kloster St. Bartholomäus erneut in Besitz. In den Zellen können Sie heute übernachten, in dem Gebäude befindet sich eine - kostengünstige - Pension (Bartolomějská 9, Haltestelle Národní trída, Metro B, Tram 6,9,18,21,22,23).

1991 stellt die Prager Regierung mit einem Restitutions-Gesetz das Privateigentum auf dem Stand vom Februar 1948 her - vor der kommunistischen Machtergreifung.

Das Tyl-Theater trägt wieder den alten Namen Ständetheater - Stavovské divadlo (Ovocný trh 1, Haltestelle Můstek, Metro A,B oder náměstí Republiky, Metro B).

Die Familie Lobkovic kehrt aus Boston zurück, fordert erfolgreich neun Schlösser ein und engagiert sich für Kultur und Tourismus.

Sie können das Renaissance-Schloss und die Kunstsammlung der Familie Lobkovic in dem 25 km von Prag entfernten Nelahozeves besichtigen. Antonín Dvořák ist in dem Dorf geboren: Es finden Konzerte und jährlich ein Dvoŕák Festival statt. In Nelahozeves können Sie auch die Weine der Lobkovic Kelterei von Schloss Roudnice probieren. Selbstverständlich erhalten Sie hier auch die Biere der seit 1466 bestehenden Lobkovic Brauerei der Stadt Vysoky Chlumec.

Die von den Fürsten von Liechtenstein gewünschte Rückerstattung beschäftigt noch immer Juristen und Gerichte. 1930 haben die in der Tschecholowakei lebenden Liechtensteiner ihre Nationalität als deutsch angegeben. Ihr Besitz wurde 1945 endgültig aufgrund der auch heute gültigen Beneš-Dekrete enteignet. Das Liechtensteiner Fürstentum fordert von Prag die Anerkennung seiner Souveränität für die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs und die Entschädigung seiner Staatsbürger.

Nicht nur die Liechtensteiner wollen ihren Besitz zurück. Die Familie Pezold-Schwarzenberg kämpft um 55.000 ha Ackerboden und Wälder, zehn Brauereien, Beteiligungen an Produktionsfirmen, die zum Unesco Welterbe gehörende Burg Cesky Crumlau, die Schlösser Trebon, Hluboká nad Vltavou und das Palais Schwarzenberg auf der Prager Burg. Forderungen erhebt auch die Familie Des Fours-Walderode. Der in Argentinien lebende Frantisek Oldrich Kinský beansprucht das Prager Palais Kinský.

1993 bekommt Prag Konkurrenz von Bratislava, die Slowakei trennt sich von Tschechien.

Europäische Union, neue Architektur und Stadtentwicklung

In der Prager Innenstadt ist kein Platz mehr für spektakuläre Neubauten. Ein Beispiel findet sich doch: An der Moldau swingen seit 1996 die Türme des "neu-barocken" Bürohauses - Tancici dům - "Ginger und Fred" von Vladimir Milunic und Frank O. Gehry (Jiráskovo náměstí an der gleichnamigen Moldaubrücke, gehen Sie vom Karlsplatz aus die Resslova entlang, Haltestelle Karlovo náměstí, Metro B, Tram 3,4,10,14,16,17,18,22,24, Bus 176,291,X3).

Ebenfalls 1996 eröffnet das Myslbek Geschäfts- und Bürozentrum - Pasáz Myslbek - zwischen Na Přikopě und Ovocný trh (Haltestelle Můstek, Metro A,B, Tram 3,9,14,24).

Platz für neue Projektierungen haben die an der Moldau gelegenen Industriegebiete des 19. Jahrhunderts - Smíchov, Karlín, und Holešovice. Im Jahr 2000 eröffnet in Smíchov das Einkaufs- und Freizeitzentrum Zlatý Anděl - goldener Engel - von Jean Nouvel. Die Fassade schmückt der goldene Engel des gleichnamigen ehemaligen Smíchover Gasthauses an dieser Stelle (Haltestelle Anděl, Metro B, Tram 4,6,7,9,10,12,14,20).

Eine Reihe von Sanierungsprojekten verhilft den Platten-Bauten von Jizní Město und Řepy zu Farbe und moderner Ausstattung. In den Industriebauten von Holešovice entstehen Lofts (Nádraží Holešovice, Metro C, Tram 5,12,15).

2001 übernimmt Siemens die Firma CKD-Tatra in Prag-Smíchov.

2002 entsteht am Wenzelsplatz der Palast Euro - gleich neben dem funktionalistischen Haus des Buches - Knihy Dům (Václavské náměstí, Haltestelle Muzeum, Metro A,C, Haltestelle Můstek, Metro A,B, Tram 3,9,14,24).

Prag hat über eine Million Einwohner. Seit 2004 ist Tschechien Mitglied der Europäischen Union. Bald soll der Euro die Krone ersetzen ...

Lenka Reinerová, 1916 geboren, kannte Egon Erwin Kisch persönlich. Sie ist die letzte deutschsprachige Prager Schriftstellerin aus dieser Zeit. Für 2006 plant sie ein deutsches Literaturhaus in Prag, Sponsoren sind willkommen...

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